• vom 04.05.2017, 15:38 Uhr

Glossen


Kopftuch

Auch Männer haben das Recht, ein Kopftuch zu tragen




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Der Andreas Gabalier macht vor, wie’s geht. Mit einem, äh: Tischtüchl? Denn wieso sollen die Frauen ganz allein gegen die Islamophobie kämpfen?



Seine Skandalworte (ausgesprochen bereits im März, aber erst unlängst in den Ohren der Öffentlichkeit angekommen) hat er ja inzwischen ein bissl relativiert, der Bundespräsident. Er sei eh "kein großer Freund des Kopftuchs", allerdings gebe es in Österreich "eine Art Bekleidungsfreiheit". (He, finde ich auch. Mein Kopf gehört mir und dort trage ich, was ich will: Haare. Offen. Und wenn ein paar Männer nicht damit zurechtkommen, wie eine Frau aussieht und dass sie Haare hat, dann sollen sie sich halt die Augen verbinden und einen Blindenstock kaufen.) Jetzt könnte der Shitstorm gegen den Alexander Van der Bellen also eigentlich aufhören. Tut er freilich nicht.

Was hat er überhaupt so Schlimmes gesagt bei dieser Diskussionsveranstaltung? "Und wenn das so weitergeht (Anmerkung: mit der Islamophobie), wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle. Aus Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun." Hört sich fast wie eine Drohung an. (Äh, und wer ist "wir"? Die Männer?) Oder wie diese Erziehungsmethode. Wie heißt die gschwind? Ach ja: Erpressung. (Wenn ihr nicht sofort netter zu den Kopftuchträgerinnen seids, müssen wir leider sämtliche Frauen bitten, so herumzulaufen. Und bei uns wird’s ausschauen wie im Iran. Wollts ihr das wirklich?) Hm. Funktioniert das auch beim IS? (Wenn das so weitergeht mit diesen Anschlägen, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Muslimas in der EU bitten müssen, ihr Kopftuch abzunehmen. Freiwillig. Also, schön brav sein.)

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Nur um die Logik hinter dem Kopftüchl-Sager zu verstehen: Ist das so, wie wenn ich aus Solidarität mit den Saudi-Araberinnen, die daheim nicht Auto fahren dürfen, meinen Führerschein zerschneide? (Nicht, dass ich einen hätte. Den hat der Papa bloß meinem Bruder gezahlt. Dafür kann ich super passiv einparken. Auf dem Beifahrersitz.) Nein, ich glaub’, erst wenn sie bei uns angepöbelt würden, weil sie nicht Auto fahren können, müsste mich der VdB höflich ersuchen, meine imaginäre Lenkerberechtigung zu zerschnipseln. Was? Und mein Bruder darf weiterfahren? Echt unfair. Klingt plötzlich ziemlich antifeministisch, der Vorschlag vom VdB. Noch dazu ist dieses Stückl Stoff nicht grad ein Symbol für die Gleichberechtigung. Mehr eine Miniburka. Konvertiere ich damit nicht automatisch zum Sexismus? Natürlich bin ich nicht grundsätzlich gegen die Geschlechterapartheid. Auf öffentlichen Toiletten mag ich sie durchaus. Ich jedenfalls wasche meine Haare in Unschuld. Ich habe ihn nicht gewählt. (Den andern noch weniger. Hallo? Der ignoriert die Töchter in der Hymne!)

Frage am Rande (gestellt vom VdB): "Tragen Männer auch Kopftücher? Nein. Oder?" Na ja, jetzt schon. Der Andreas Gabalier zum Beispiel. Auf Facebook. Okay, ist eher ein Tischtuch, doch der Wille zählt. Welcher denn? Sich mit "unseren Frauen" zu solidarisieren, die aus Solidarität mit den Musliminnen ihre Haare züchtig bedecken. Hä? Sehr verzwickt. Aber immerhin ein Mann mit Kopftuch. So einer kämpft eindeutig gegen die Diskriminierung von Frauen. (Haben die Ölscheichs nicht ebenfalls eines auf? Und die lassen ihre Töchter nicht einmal Auto fahren!) Aus Solidarität mit dem so oft als Lederhosenmacho missverstandenen Frauenrechtler sollten wir glatt unsere Töchter wieder aus der Hymne schmeißen.




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Dokument erstellt am 2017-05-04 15:42:03



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