• vom 05.05.2017, 14:09 Uhr

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Von Severin Groebner

  • Die Welt ist mittlerweile derart kompliziert geworden, dass man das jetzt schon "komplex" nennt. Deshalb: Nur kan Stress.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Man darf den Leuten nicht zuviel zumuten. Aktuelles Beispiel: Der französisch-deutsche TV-Sender Arte will eine Antisemitismus-Doku nicht zeigen. Warum? Vielleicht kommen zu viele Juden darin vor. Oder Arte glaubt noch nicht so ganz an Emanuel Macrons Wahlsieg und will die mögliche neue Präsidentin nicht sofort mit den schlechten Eigenschaften ihres Vaters und seiner alten Haberer konfrontieren. Oder mit denen ihrer Parteifreunde. Oder ihrer eigenen.

Oder es kommt noch schlimmer: Wenn die Wählerschaft von Marine Le Pen erkenn, wie viele Antisemiten es unter den gehassten muslimischen Nachbarn gibt, dann haben die ja gar kein Feindbild mehr. Das kann man diesen armen Leuten doch nicht antun.

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Man stelle sich vor, die FPÖ käme drauf, wie sehr ihr Familienbild mit dem der Salafisten übereinstimmt. Da brechen doch Welten zusammen.

Nein, man muss die Gesellschaft vor unangenehmen Fakten schützen.

Auch sprachlich: Russland, die Türkei und der Iran haben sich jetzt auf "Schutzzonen" im Bürgerkriegsland Syrien geeinigt. Früher hieß das noch "Einflussgebiete", aber das andere klingt halt schon schöner. Und so human. Das kennt man ja aus der Geschichte: Ihre Kolonien nannten Europas Imperien ja auch "Schutzgebiete" oder "Protektorate". In Österreich sogar "Kronländer".

Der Euphemismus ist also keine neue Erfindung. Außer dass er jetzt nicht mehr Euphemismus heißt, sondern "Wording". Kommt aus der Werbung. Die hieß früher "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda". Aber so viel Aufwand braucht man heute kaum noch. Das geht jetzt schon fast ganz alleine.

Man schickt programmierte Bots ins Netz, die allen, die es wissen - und vor allem glauben - wollen, erzählen, wie toll Wladimir Putin, Russland, Nationalismus, Beten, Marschieren und Staaten mit nur einer Partei sind. Freundlicherweise vergessen die elektronischen Dreckschleudern nicht zu erwähnen, dass man daher Demokratie, EU, abweichende Meinungen, Kopftücher und sexuelle Freiheit (es sei denn, es handelt sich um die Freiheit des weißen, heterosexuellen Mannes) eigentlich auch nicht braucht.

Obwohl man bei Russland natürlich extrem aufpassen muss. Und man muss fair bleiben. Wenn man den Panama-Papers glauben darf, leben dort die bestverdienenden Cellisten der Welt. Die haben so viel Geld, dass sogar der Präsident mit ihnen befreundet ist . . . oder ist die Kausalkette andersrum? Egal, es gibt auch noch andere positive Entwicklungen: Die russische Sängerin darf nicht zum Eurovision Song Contest, weshalb ihn das staatliche russische Fernsehen auch nicht überträgt.

Da muss man auch einmal sagen: Die Russen müssen sich wenigstens diesmal das Geplärr nicht anhören.

Merke: Differenzieren ist wichtig.

Wenn also demnächst in der Nachbarschaft ein Wahnsinniger herumballert, weil er meint, aufgrund seiner menschenhassenden Ideologie dazu berechtigt zu sein, Unschuldige ins Jenseits zu befördern, woran erkennt man, ob das nun ein "Terrorist" oder "ein psychisch-kranker Einzeltäter" ist? Genau: An der Religion und am Reisepass.

Natürlich gibt es ideologische Überschneidungen, aber die . . . werden auf Arte nicht gezeigt.




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Dokument erstellt am 2017-05-05 14:15:03



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