• vom 13.05.2017, 14:00 Uhr

Glossen

Update: 15.05.2017, 13:21 Uhr

Glossenhauer

Juhu, es ist Wahlkampf!




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Die Ereignisse überschlagen sich: Rücktritte hier, Angebote da, Statements dort. Und der Wähler sitzt da und weiß: Am Ende komm doch wieder ich dran.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne", die jeden letzten Sonntag im Monat im Vienna Ballhaus stattfindet. Sein jüngstes Programm "Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat" ist auch als CD und DVD im Label "EinLächeln" erschienen.

Endlich wieder Dreieckständer am Ring, auf der Mariahilfer Straße, auf der Hadikgasse, auf der Wagramer Straße. Und überall dazwischen auch. Dreieckständer, Dreieckständer, Dreieckständer . . . Yeah! Das freut den Radfahrer, denn jetzt weiß er nicht mehr, wo er seinen Drahtesel anleinen soll, da um jeden Laternenpfahl, jedes Verkehrsschild und jeden einzelnen frischgepflanzten Baum ein Dreieckständer plaziert ist. Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Johann-Strauss-Statue im Stadtpark und das Prinz-Eugen-Denkmal am Heldenplatz nicht auch schon von Dreieckständern bewahlkampft worden sind.

Aber man muss gerecht bleiben: Wahlen sind ein "Fest der Demokratie". Hab ich kürzlich irgendwo gelesen. In einer Zeitung. Im Ausland. Bei uns traut sich keiner so etwas schreiben. Denn bei uns sind Wahlen kein Fest, sondern Ausdruck politischer Orientierungslosigkeit.

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Deshalb muss man Klarheit schaffen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ausschließlich mit Rücksicht auf die eigene Karriere und das Anzeigenvolumen im Gratisaltpapier.

Dass man etwa OSZE-Vorsitz, Außenministerium und Wahlkampf so locker-flockig miteinander verbinden kann, steht außer Zweifel. Was ist denn schon die OSZE? Schauen Sie sich doch einmal an, wer da drinnen sitzt: Größtenteils Ausländer! Von denen wird sich doch so ein fescher Integrationsminister nicht die Karriereplanung madig machen lassen.

Obendrein spürt man es in der ganzen Bevölkerung: Landauf, landab kann man das Bedürfnis nach TV-Debatten und Open-Air-Auftritten von Politikern mit Würsteln (hier ist das Essen gemeint, nicht die Securitys) und Brot samt Blasmusikkapelle mit Händen greifen. Schließlich haben wir ja im vergangenen Jahr viel zu wenig davon gehabt. Ach, ich freu mich auch schon wieder auf sprachliche Kleinode im Fernsehen und im Straßenbild: Endlich wieder "Unser schönes Österreich", "Immer wieder Österreich", "Gut für Österreich", "Besser für Österreich", "Alles bestens, Österreich", "Zukunft Österreich", "Österreich zuerst" und andere Formen der politisch-patriotischen Betroffenheitslyrik plakatiert sehen.

Was leider immer fehlt, sind Slogans, die wirklich die Stimmung im Land wiedergeben. Zum Beispiel: "Jetzt Österreicht’s mir!"

Trotz der Austromanie ist das kommende Match ja ein innerwienerischer Dreikampf. Freilich dürfen eine grüne Kärntnerin und ein rosa Vorarlberger ein bisschen mitspielen, aber de facto heißt es: Simmering (Christian Kern) gegen Meidling (Sebastian Kurz) gegen Erdberg (HC Strache) - das ist Brutalität.

Doch bei all der künftigen Vorstadtschlägerei sollte man nicht vergessen, was in Wien wirklich wichtig ist. Die Vorgängerorganisation der ÖVP, also das Haus Habsburg-Lothringen, gedenkt dieser Tage ja Maria Theresias 300. Geburtstags. Die Dame zwischen den Museen ist also exakt um 99 Jahre jünger als die Traditionshütte "Zum schwarzen Kameel" in der Wiener Innenstadt.

Merke: Regierungen kommen und gehen, Lokale bleiben bestehen.

Dort kann man nämlich den Frust über die Politik runter spülen.

Und wenn man Glück hat . . .

. . . findet man davor auch irgendwo einen Abstellplatz für sein Fahrrad.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-12 17:54:09
Letzte ńnderung am 2017-05-15 13:21:03



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