• vom 15.05.2017, 16:12 Uhr

Glossen

Update: 16.05.2017, 10:00 Uhr

Sprachschätze

Der Hund am Boden




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Auch sprachlich ist ohne Hunde nicht auszukommen, das liegt an der besonderen Beziehung des Menschen zu seinem treuesten Begleiter.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hunde kommen in mehr Redewendungen und Redensarten vor, als die meisten anderen Tiere. Der krumme Hund zum Beispiel, bekannt wie ein bunter Hund, kalt wie eine Hundeschnauze, wie Hund und Katze, hundeelend, hundsgemein. Keinen Hund kann man damit hinter dem Ofen hervorlocken. Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. Der größte Teil des Hundevokabulars ist allerdings geprägt von krasser Abwertung - der Hund als Underdog. Auffallend viel Missbrauch zu Schimpfzwecken findet sich, obwohl Hunde als Jagd-, Wach-, Arbeits- und Suchhunde unentbehrlich waren und sind. Hierher gehört auch der Ausdruck Kanaille, vom italienischen Wort cane für Hund.

Etwas neutraler sind die vielen Hundesprichwörter, wie das von den schlafenden Hunden, die man nicht wecken soll und von den vielen Hunden, die des Hasen Tod sind. Hunde, die bellen, beißen nicht, sagt man. Auffallend ist auch, dass Bedeutung und Herkunft von Hunderedewendungen oft im Dunkeln liegen. Das ist ein dicker Hund. Wieso, ist nicht bekannt. Und wenn der Hund in der Pfanne verrückt wird, soll das eine scherzhafte Anspielung darauf sein, Hundefleisch vorgesetzt zu bekommen, ohne es zu wissen. Ähnlich ist übrigens die Bezeichnung Hotdog entstanden, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in den USA: Fleisch von Hunden und Katzen vermutete man in den auf der Straße verkauften Würstchen. Und die Form wurde mit der des Dackels verglichen. Und wieso kommt man auf den Hund? Viele Redewendungen erweisen sich als Mischung verschiedener Einflüsse. So auch in diesem Fall: Zum einen der Hund als erniedrigte, unterwürfige Kreatur, ganz unten. Dazu die alte Redenwendung, vom Pferd auf den Esel zu kommen, die den Abstieg vom Pferdefuhrwerk zum Eselsfuhrwerk (und später zum Hundefuhrwerk) beschreibt. Tatsache ist, dass in verarmten Verhältnissen von vornherein statt Pferden Hunde als Zugtiere benutzt wurden. Und dazu kommt noch, dass es laut alten Bräuchen früher üblich war, als Strafe öffentlich einen Hund herumtragen zu müssen. Und schließlich wurden früher auf den Boden von Schatullen und Truhen gern Hunde gemalt, "Wachhunde", die auch gegen Diebe helfen sollten: War der Behälter leer, war man "auf dem Hund". Da liegt der Hund begraben: Bei dieser Redewendung könnte es sich um den tief in der Erde verborgenen schwarzen Schatzhüterhund des Volksglaubens handeln, der Schatzgräber daran hindert, Schätze zu heben - oft als Teufel interpretiert, dem zugeschrieben wird, gern Hundegestalt anzunehmen (wie Mephistopheles als Pudel). Vor die Hunde gehen, dieses Bild stammt von der Hundemeute und dem gejagten Wild. Ähnlich: Den Letzten beißen die Hunde - die Jagdhunde. Vom Hund, vom germanischen Wort hunda, kommt das Verhunzen, "das Verhundsen" (von Hunde-Aas), und der Zynismus, "der Hündische", vom griechischen Wort kyon für Hund, ursprünglich eine Bezeichnung für Kyniker, deren materiell anspruchsloser und selbstgenügsamer Lebensstil vielen wie ein Hundeleben erschien, weshalb sie viel Spott traf, den sie immer wieder beherzt beantworteten. "Es möchte kein Hund so länger leben", diese unheilvolle Übertreibung stammt aus Goethes "Faust".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-15 16:18:04
Letzte Änderung am 2017-05-16 10:00:03



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