• vom 01.06.2017, 17:32 Uhr

Glossen


Hartz IV

Die Armut muss gerechter verteilt werden




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Wieso eigentlich nur die Notstandshilfe durch die Mindestsicherung ersetzen? Machen wir das doch auch gleich mit der Pension.



Tja, die Welt ist ungerecht. Die einen müssen hackeln für ihr Geld, die andern verdienen nicht einmal ihre Armut selber. Sogar die muss ihnen der Staat noch zahlen. In Wien sind das immerhin 837,76 Euro im Monat. Das Finanzministerium hat deshalb eine geradezu sozialrevolutionäre Idee prüfen lassen. Die dürfte zwar für einen weiteren Anstieg der Armut sorgen, aber alle Armen wären endlich gleich arm. Und bei irgendwem muss man schließlich anfangen mit der Gerechtigkeit, oder?

Seit Tagen schon gibt es die wildesten Spekulationen über irgend so ein Computerspiel. Den "Hartz-IV-Simulator". Den soll der reichste Österreicher (der Steuerzahler) dem Finanzminister gekauft haben. Um 30.000 Euro. Ist das nicht ein bissl viel für eine DVD? Davon muss ein Mindestsicherungsbezieher drei Jahre lang leben! - Und? Bei dem Spiel geht’s ja um die Mindestsicherung. Wie viel kann der Bund einsparen, wenn er so tut, als wären die heimischen Arbeitslosen (kurz Alos) lauter Deutsche? "Hartz IV" ist offenbar das piefkinesische Wort für "Bedarfsorientierte Mindestsicherung". Ist wohl wie mit dem Quark und dem Topfen. Hartz IV ist Quark, die Mindestsicherung ein Topfen. Und der ersetzt in der Simulation die Notstandshilfe, die im Anschluss an die Arbeitslose gewährt wird und vom vorherigen Einkommen abhängt. He, müssen die Alos bald beim AMS mit dem "Hartz-IV-Simulator" ihre Bedürfnislosigkeit trainieren? Und nachher schickt man sie in den Kurs "Wie bewerbe ich mich richtig (für eine Matratze in der überfüllten Notschlafstelle)?"?


Mein Lieblings-Alo ist völlig fertig deswegen. Er muss nun die doppelte Dosis Antidepressiva schlucken. Sein Psychiater hätte ihm aber lieber ein Rezept für den dringend benötigten Job ausstellen sollen. "Na super. Noch mehr Rezeptgebühren." - "Jetzt konnst bloß hoffen, doss des mit da Mindestsicherung echt kummt. Do wärst wenigstens rezeptgebührenbefreit." Bernard G. will seinen richtigen Namen trotzdem auf keinen Antrag auf Mindestsicherung schreiben. "Und wetten? Wenns mi irgendwann doch in Pension gehn lossn, stellens die vurher a auf die Mindestsicherung um." Weil wer nix arbeitet, soll auch nicht leben. Nur minimal existieren. ("Bedarfsorientiert? An wessen Bedarf orientiert? An meinem sicher ned.") 837,76 Euro Pension für alle? Halb so schlimm. Wer es sich leisten kann, hat eh eine Zusatzpension. Und eine Eigentumswohnung.

"Die Miete könnt i jedenfois nimmer zahlen. 450 Euro! I wär obdachlos." Oje. Ohne Wohnung wird ihm bestimmt der Grundbetrag zur Deckung des Wohnbedarfs gestrichen (209,44 Euro). Dann muss er mit 628,32 Euro auskommen. Dafür kriegt er vermutlich als Sachleistung einen Gutschein. (Für einen Schlafsack.) Um nicht schuld an einer weiteren Rezeptgebühr zu sein, hab ich das natürlich für mich behalten und stattdessen gesagt: "Des warat doch des Beste, wos dir passieren könnt." - "Wenn i unter da Bruckn schlofn müsst?" - "Naa, wenn plötzlich 100.000e Wohnungen frei werden würden, weil sich die Oabeitslosen und die Pensionisten ihre nimmer leisten können. Wenn der Markt nämlich auf amoi mit leere Wohnungen überschwemmt wird, sinken die Mieten und du konnst wahrscheinlich in dei oide Wohnung wieder einziehen. Oba vü billiger." - "Und wos moch i bis dahin mit meine Möbel? Und mit mir?" Hm.




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Dokument erstellt am 2017-06-01 17:36:03



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