• vom 12.06.2017, 16:00 Uhr

Glossen

Update: 20.06.2017, 16:00 Uhr

Sprachschätze

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Von Hilde Weiss

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  • Die meisten Wörter sind viel älter als das, was sie bezeichnen: Kleine etymologische Erkundungstour zum Tag der Verkehrssicherheit am 17. Juni.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Verkehr, vom Verkehren, darunter verstand man ursprünglich Handelsverkehr, wirtschaftlichen Austausch, dann Umgang mit anderen. Zum Beispiel auf der Straße - vom lateinischen Begriff via strata, gepflasterter Weg, und vom Verb sternere für ausstreuen, ausbreiten, ebnen, ursprünglich ein Wort für Heerstraße. Oder auf der Schiene, ein Wort germanischer Herkunft, das auf den Bergbau zurückgeht und auf eine indoeuropäische Wurzel für schneiden, spalten, trennen. Immer in der Spur, "im Tritt", von einem germanischen Wort für Fußabdruck, Fußspur, ursprünglich ein Wort der Jägersprache, eng verwandt mit dem Spüren, "dem Nachspüren" (der Spur folgen), und mit dem Spuren, "die Spur halten", ein Ausdruck, der zuerst auf Wägen bezogen wurde. Immer der Markierung nach: Das Wort, aus dem 19. Jahrhundert, aus der Kaufmannssprache, geht über das Französische auf das altfränkische Verb markon für markieren, ein Zeichen setzen, eine Spur hinterlassen zurück, das ursprünglich auf Grenzmarkierungen angewendet wurde. Eng verwandt sind alle Markierungen mit der Mark (Grenzmark), mit der Marke, dem Markanten, dem Merken, der Bemerkung und dem Marschieren, "mit Fußtritten markieren". Immer den Zeichen nach, die auf ein germanisches Wort für Wunderzeichen zurückgehen, eng verwandt mit dem Zeihen, "dem Anzeigen", und dem Zeigen. Und immer den Schildern nach - ursprünglich im Germanischen ein Wort für Schutzwaffe, auf die später Erkennungszeichen und Wappen gemalt wurden, die Herkunft und Absicht "schilderten", was zu Haus-, Firmen- und Namensschildern führte. Etwas im Schilde führen, wie die Ritter ihre Abzeichen und Wahlsprüche, bedeutete daher anfangs nicht zwangsläufig Böses, aber da sich Waffen leicht hinter einem Schild verstecken lassen, ist die heutige Redensart entstanden. Aus einem anderen Bereich stammt die Ampel, vom lateinischen Wort ampulla für kleines Gefäß: Sie bezeichnete ursprünglich das ewige Licht in der Kirche. Und das Stauen, "das Stellen" ("machen, dass es steht"), war ursprünglich Seemannsdeutsch, im Sinn von Stillstand des Wassers und daran anschließend auch im Sinn von verstauen. Das Parken kommt vom Park und dieser vom französischen Wort parc für Eingehegtes und vom mittellateinischen Begriff parricus für umschlossener Raum, Gehege. Das französische Wort gelangte ins Italienische, ins Spanische, ins Englische und ins Deutsche, wo parc im 15. Jahrhundert ein Wort für Einzäunung, Zwinger war, das sich aber nicht lange bewährte und aufgegeben wurde. Im Französischen erwies sich der Begriff jedoch als immer unentbehrlicher, vor allem für Gartenanlagen und Militärdepots, "Kanonenparks", und später auch für zivile Parkplätze, "Autoparks". Der Begriff wurde erneut mehrfach exportiert, unter anderem ins Englische, von wo er wieder ins Deutsche gelangte, diesmal mit Erfolg. Bei der Prävention, "dem Zuvorkommen", führt die Spur, eng verwandt mit der Konvention, "der Zusammenkunft" (der Übereinkunft), ohne Umwege zum lateinischen Verb venire für kommen
und beim Unfall, "dem Unglück", zum mittelniederdeutschen Wort geval für Glück.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-12 16:06:03
Letzte ─nderung am 2017-06-20 16:00:11



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