• vom 19.06.2017, 16:34 Uhr

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Update: 20.06.2017, 15:32 Uhr

Sprachschätze

Ständig in Morpheus Armen




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Von Hilde Weiss

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  • Rausch, "das Rauschen": Viele Wörter geben Aufschluss über das Benannte - wenn es um Drogen geht, ist das allerdings nicht oft der Fall.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Eine etymologische Vorschau auf den Weltdrogentag am 26. Juni: Unter Drogen, vom französischen Wort drogue, verstand man ursprünglich, im 16. Jahrhundert, tierische und pflanzliche Rohstoffe, Gewürz- und Arzneimittel, verwandt mit dem Wort trocken, vielleicht auch beeinflusst vom lateinischen derogare für abschaffen, vermindern und vom arabischen Begriff turuq für Weg, Mittel. Ein Mittel, "das in der Mitte", das vermittelt - ein Hilfsmittel. Kokain, 19. Jahrhundert, kommt wie das Coca-Cola vom Kokastrauch (spanisch coca, aus Indianersprachen) - verharmlosend. Crack ist eng verwandt mit dem Kräcker, "der kracht", und dem Krach - alles lustige Lautmalerei. Und Stimulantia, "die anstacheln", kommen vom lateinischen Wort stimulus für Stachel. Nicht sehr aufschlussreich: Marihuana, im 20. Jahrhundert aus dem Englischen entlehnt, ist zusammengesetzt aus den Namen Maria und Juana. Hanf, ein Begriff des 10. Jahrhunderts, vom germanischen Begriff hanapa, geht auf dieselbe Wurzel wie die lateinische (und griechische) Bezeichnung Cannabis zurück. Aber welche Vorstellung dem Wort zugrunde liegt, ist nicht bekannt. Haschisch, im 19. Jahrhundert aus dem Arabischen entlehnt, heißt Kraut, Heu, Gras. Und kiffen, 20. Jahrhundert, geht über das Englische auf das arabische Wort kaif für Wohlbefinden zurück - beschönigend. Opium, "das Safterl", 15. Jahrhundert, geht über das Lateinische auf eine Verkleinerung des griechischen Worts opós für Pflanzensaft zurück. Morphium, 19. Jahrhundert, heißt nach Morpheus, "dem Gestalter", dem Gott der Träume, vom griechischen Wort morphé für Gestalt, Form, benannt nach den Traumgestalten, die von ihm kommen sollen. Und Heroin, "das Heroische", ebenfalls 19. Jahrhundert, vom griechischen Wort heróios für heldenhaft und stark, galt ursprünglich als Allheilmittel, als universales Schmerzmittel und als Mittel gegen Morphinabhängigkeit.

Substitution, "der Ersatz", 17. Jahrhundert, kommt vom lateinischen Verb sistere für stellen, im Sinn von unterstützen ("darunterstellen"). Methadon ist die Kurzform der englischen Wörter dimethylamino- und diphenyl und heptanone. Synthetisch, "zusammengestellt", vom griechischen Verb syntithénai. Halluzinogene bestehen aus dem griechischen Verb halyein für außer sich sein und dem lateinischen Verb vaticinari für weissagen, schwärmen. Ecstasy: Ekstase, vom griechischen Verb existánai für heraustreten, sich entfernen, war ursprünglich ein religiöser Begriff. Und Narkotika führen zum griechischen Verb narkáein für erstarren, lähmen, betäuben. Rauschgift setzt sich zusammen aus dem Berauschtsein, "dem Rauschen (im Kopf)", eng verwandt mit dem Geräusch, ursprünglich Gerausch, und Gift, "Gibt", "das Gegebene", die Gabe, die Arzneigabe, auch die "Giftgabe". Eine bessere Entwicklung hat das englische Wort gift für Geschenk, Gabe, Begabung genommen. Und Gabe bedeutet auch das griechische Wort dósis. Junkie kommt von junk - ursprünglich ein Wort für altes Tauwerk, dann für altes Zeug, Abfall, auch Drogen, eng verwandt mit dem Junkfood, das auf die wenig beliebte Haltbarnahrung der langen Schiffsreisen zurückgeht, die mit alten Seilen verglichen wurde.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-19 16:38:04
Letzte nderung am 2017-06-20 15:32:03



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