• vom 13.07.2017, 16:19 Uhr

Glossen


Prado

Hoffentlich geht Angela Merkel nie in den Prado




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Das würde der EU den Rest geben.



So, ich kann das jetzt nicht länger für mich behalten. Auch wenn die EU im Moment nicht noch eine Krise gebrauchen kann. Und wir sie dann vielleicht endgültig vergessen können. Aber meine Leser haben ein Recht auf die Wahrheit. Selbst wenn dadurch der Weltfrieden in Europa massiv gefährdet wird. Außerdem hätte die Angela Merkel sowieso irgendwann davon erfahren. (Oder auch nicht. Anscheinend interessiert sie sich nämlich überhaupt nicht für Kunst. Schließlich war sie bereits in Madrid und trotzdem nie im Prado. Offenbar. Sonst hätte sie ja sofort sämtliche diplomatische Beziehungen zu Spanien abbrechen müssen.)

Auf Dauer werden sich die Deutschen das jedenfalls nicht gefallen lassen. Die sind Fußballweltmeister, hallo? Sie waren sogar Papst. (Und sie haben den Job noch dazu überlebt!) Die werden sich sicher rächen. Wofür denn? Na, dass ihnen irgendein Ausland ihren bedeutendsten Künstler geklaut hat. Echt? Der Beuys ist kein Deutscher mehr? Doch. Der schon noch. Der andere allerdings nimmer. Der ist plötzlich ein Spanier. Diesen Kunstskandal hab ich eher zufällig aufgedeckt. Weil ich im Museum immer brav die Taferln lese. Aha, "Die drei Grazien" von einem gewissen Pedro Pablo Rubens. Der Rubens hatte einen exotischen Verwandten? Und der hat genauso gern Cellulite gemalt wie er? Wieso kenn’ ich den nicht, obwohl er wichtig genug ist, dass Werke von ihm im Prado hängen? Ach, wahrscheinlich, weil er im Kunsthistorischen Museum in Wien Peter Paul heißt. Okay, und was geht der Rubens die Deutschen an? Eh nix. Außer dass er in Nordrhein-Westfalen geboren worden ist. (Zumindest liegt dort heute Nordrhein-Westfalen.) Ansonsten war er durch und durch Flame. Sollen sich also die Belgier mit den Spaniern um ihn streiten. Und die Niederländer können sich darüber aufregen, dass jemand aus ihrem Bosch einen mexikanischen Drogenboss gemacht hat: El Bosco. He, womöglich sind doch die Deutschen für ihn zuständig. Der ursprüngliche Nachname vom Bosch war "van Aken". Seine Vorfahren stammen folglich "aus Aachen".

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Beim Albrecht Dürer hört sich freilich der Spaß auf. Alberto Durero? Das ist eine Kriegserklärung! Der Dürer ist immerhin so was wie ein Beckenbauer mit Pinsel. (Er hat mit den Füßen gemalt? Äh, nein. Aber für Real Madrid hat ebenfalls nie ein Francisco Beckenbauero gespielt.) Das schreit nach Vergeltung. Wie es den Spaniern wohl gefallen würde, wenn die Bayern in ihrer Neuen Pinakothek dem Sonnenblumenbild von diesem Goya einfach ein Fantrikot vom FC Bayern München anziehen würden? Hm. Das wäre ihnen vermutlich wurscht. Weil die Sonnenblumen vom Vicente de Gogh sind. Gut, dann wird der Francisco de Goya halt in Franz Goya umbenannt. Und der Diego Velazquez in Jakob Felatzkess. Na ja, wenn dadurch die EU noch ein letztes Mal gerettet wird . . .

Ein Problem könnte höchstens Schillers "Don Carlos" werden. Wehe, die Piefke übersetzen den Titel ins Deutsche! "Der Herr Karl" ist nämlich österreichische Weltliteratur, gell? Der Qualtinger hat einen raunzenden Wiener gemimt und bestimmt nicht "den Infantilen von Spanien". Zur Strafe müssten wir ihren Schani Wolferl leider perfekt "integrieren". Wir streichen auf seinem Denkmal am Ring "Goethe" durch und schreiben stattdessen hin: "Grillparzer."




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Dokument erstellt am 2017-07-13 16:24:07



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