• vom 17.07.2017, 16:09 Uhr

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Sprachschätze

Bewegte Stagnation




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Oft enthalten Wörter Wissen und Erfahrung, auch über Beharren und Veränderung, über Stillstand und Fortgang.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hier steht alles: Wenn etwas ständig und beständig ist, kommt das vom Stand und vom Bestand und diese vom Stehen, eng verwandt mit stetig und stets, stet und stad und der Bestätigung, "der Bestetigung" (dem Beständigmachen). Auch das Resistente kommt vom Stehen (vom lateinischen Verb sistere für hinstellen), wie auch das Insistieren, "das Bestehen", und die Persistenz, "das Bestehenbleiben".

Zur Verwandtschaft (über das Verb stare für stehen) gehört auch die Konstanz, "die steht", das Konstatieren, "das Feststellen", Status und Statuten, Stativ und Statik, Statisten, Statistik, Stabilität, Stagnation, Stationen und der Rest, vom lateinischen Verb restare, "der zurückbleibt" (der steht) - obstinat, "auf etwas bestehend".

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Wenn etwas andauert, kommt das vom lateinischen Verb durare für hart werden, trocknen, dörren, sich halten (ursprünglich einen Winter lang). Fortwährend - das kommt vom alten Verb wesen für verweilen, sich aufhalten, bleiben, eng verwandt mit dem Anwesen, "wo man anwesend ist", dem Wesentlichen, den Unwesen, den An- und Abwesenden, dem Verwesen - langwierig, "langwährend". Das Kontinuierliche, vom lateinischen Verb continere für zusammenhalten, fortsetzen, ist eng verwandt - anhaltend - mit dem Tenor, "der (die Melodie) hält", und dem Tenor, "dem Gehalt" (Inhalt). Das Permanente, eng verwandt mit immanent, "darin bleibend" (innewohnend), kommt vom lateinischen Verb manere für bleiben. Bleibend, "haftend" - vom germanischen Verb bileib für hängenbleiben, klebenbleiben, eng verwandt mit dem Leben, "dem Bleiben". Immer und ewig, immerzu, immerdar, immerwährend: Immer, "je mehr", ist mit der Ewigkeit verwandt, die auf das germanische Wort aiwi für das Ewige zurückgeht und weiter auf die indoeuropäische Wurzel eiw- für Lebenskraft, Lebenszeit.

Beharrlich - das bedeutete ursprünglich, festzustecken, nicht mehr weiterzukönnen, verharren. Stockend, "stocksteif". Unaufhörlich heißt, ohne aufzuhorchen, ohne aufhorchend abzulassen. Pausenlos - vom griechischen Verb paúein für beenden, "aufhören machen". Unentwegt, "unverrückt" - vom alten Verb entwegen für auseinander bewegen, vom Fleck rücken. In einer Tour, "in einer Umdrehung" - vom griechischen Wort tórnos für Dreheisen, Drechseleisen. Laufend. Am laufenden Band (am Fließband). Durchgehend. Das Nachhaltige, "das Rückhaltige" (das man zurückbehält), kommt vom alten Verb nachhalten für andauern, anhalten. Anhaltend sind auch das Chronische (griechisch chrónos, Zeit) und das Hektische, ursprünglich in der Medizin ein Wort für hartnäckig, verzehrend - vom griechischen Wort hektikós für gewohnheitsmäßig, andauernd, eng verwandt mit dem Epochalen, "dem Anhaltenden" - vom griechischen Verb échein für halten, haben, festhalten.

Und versessen heißt "hartnäckig versitzend" (sitzen bleibend). Aber ob in einem fort, immerfort, fortlaufend, fortgesetzt: Fort geht auf ein germanisches Wort für vorwärts zurück, das auch zum Fortschritt führt. Und das Ende kommt über das Germanische vom indoeuropäischen Wort hant für Vorderseite, Stirn, "Ende". Endlos.




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Dokument erstellt am 2017-07-17 16:15:03



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