• vom 25.07.2017, 16:00 Uhr

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Update: 31.07.2017, 13:54 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Feministischer als die Frauen




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Die Damen-Fußball-EM ist eine sprachliche Herausforderung für Journalisten. Nicht alle erweisen sich als stilsicher.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Eine Erfolgsmeldung aus den Niederlanden jagt die andere. Unsere Fußballdamen sorgen für Furore. Die Spiele werden im ORF live übertragen und die Zeitungen bringen ganzseitige Berichte über die Matches und über die Spielerinnen. Die Zeiten, als man sich über den Frauenfußball lustig machte, sind vorbei.

Für Journalisten ist die Fußball-EM eine sprachliche Herausforderung, sie müssen lernen, mit den weiblichen Endungen stilsicher umzugehen. Im Deutschen ist das recht einfach: Es gibt eine Verteidigerin und eine Stürmerin, eine Toptorjägerin und eine Rekordschützin. Und Virginia Kirchberger ist lieber Außenseiterin als Favoritin.


Ich höre genau zu, wenn Alina Zellhofer im Wiener ORF-Sportstudio die Ex-Fußballerin Elisabeth Tieber interviewt. Letztere hat übrigens eine glänzende Karriere in der Schweiz hinter sich, ich geniere mich, dass ich erst jetzt mit ihrem Namen etwas verbinden kann. Für sie sind die Wörter mit der Endung -in eine Selbstverständlichkeit, und es klingt in meinen Ohren überhaupt nicht peinlich. Einmal hat sie allerdings, ohne viel nachzudenken, "die gute Manndeckung" eines Teams gelobt und sich anschließend auf Fraudeckung korrigiert. Na klar, im Herrenfußball heißt es "Lass deinen Mann nicht aus den Augen", wir können von den Damen nicht erwarten, dass sie das eins zu eins übernehmen. Vermutlich fordert auch der Trainer: "Du darfst deiner Frau keinen Raum lassen!" Und natürlich gibt es im Damenfußball keinen Tormann, sondern eine Torfrau; es wäre kurios, eine Fußballerin als Tor-Mann zu bezeichnen. Wenn die Bedeutung Mann im wörtlichen Sinn so deutlich erkennbar ist, muss auf -frau gewechselt werden. Die Torschützin im Match gegen Frankreich, Lisa Makas, erklärte das Erfolgsrezept des Damen-Nationalteams so: "Wir sind eine Mannschaft, das spürt man als Spielerin (. . .) Ich liebe es, ein Teil dieser Mannschaft zu sein." Sie verwendete den Ausdruck Mannschaft ohne Bedenken, es störte sie nicht, dass in Mannschaft das Wort Mann steckt. So wie das englische Wort Team ist auch Mannschaft nicht geschlechtsspezifisch. Eine Mannschaft kann nur aus Männern, nur aus Frauen oder aus Frauen und Männern bestehen. In diesem Ausdruck ist die Bedeutung "Mann" genauso verblasst wie in "jedermann".

In vielen Sportarten gibt es eine Damenmannschaft und eine Herrenmannschaft. Niemand käme auf die Idee, dass Damenmannschaft ein Oxymoron ist, also so etwas wie "stummer Schrei" oder "alter Knabe", und Herrenmannschaft ein Pleonasmus, also "kaltes Eis". Elisabeth Tieber meinte einmal: "Es wäre gut, wenn die jetzige Euphorie dazu beiträgt, dass auch unsere Bundesligavereine Damenmannschaften aufbauen." Das Wort Damenmannschaft kam ihr problemlos über die Lippen.

Im Gegensatz dazu sprach der ORF-Analyst Peter Hackmair nicht von einer Mannschaft, sondern - man höre und staune - von einer Frauschaft. Zwar konnte er sich darauf berufen, dass das Wort Frauschaft im Duden zu finden ist, aber im Österreichischen Wörterbuch steht es nicht, und dieses sollte für den ORF als nationale Anstalt bindend sein.

Im Übrigen wirken jene Männer lächerlich, die feministischer sein wollen als die Frauen.




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Dokument erstellt am 2017-07-25 16:06:13
Letzte ─nderung am 2017-07-31 13:54:09



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