• vom 31.07.2017, 16:12 Uhr

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Update: 02.08.2017, 10:30 Uhr

Sprachschätze

Nicht nur für die Katz




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Von Affenliebe und Löwenanteil bis Katzenwäsche und Kuhhaut: Auch sprachlich sind Tiere viel wichtiger für uns, als meist bewusst ist.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Raubtieren kommt in unserem Sprachgebrauch große Bewunderung zu. Tapferkeit, Mut, Stärke, Überlegenheit wird ihnen zugeschrieben. Die domestizierte Katze kommt weniger gut weg: ob Katzenmusik, Katzendreck, Katzengold, Katzenwäsche oder die sprichwörtliche Falschheit der Katze und das Katzbuckeln. Für die Katz - das waren ursprünglich Küchenabfälle, Fischreste, Wursthaut. Und die Katze im Sack wurde unachtsamen Käufern statt eines Ferkels oder eines Hasen angedreht. Katzentisch, das war ursprünglich ein Begriff für Fußboden und dann, abseits oder ungünstig platziert und oft niedriger als die anderen Tische, in Klöstern ein Straftisch und später in manchen Gegenden ein Tisch für Kinder und Zuspätkommer.

Eine besonders heikle Beziehung bestand immer schon - trotz oder wegen der Ähnlichkeit - zwischen Mensch und Affe. Das schlägt sich auch sprachlich nieder: Schon in der Antike war Affe ein beliebtes Schimpfwort. Auch im Nibelungenlied ist ohne "Rotzaffe" und "Affenschwanz" nicht auszukommen. "Einen Affen haben", das soll von der Vorstellung ausgehen, dass der Alkohol das Äffische im Menschen weckt. Entstanden ist die Redewendung aber wahrscheinlich unter dem Einfluss des Tschechischen, wo opice Affe heißt und opít se sich betrinken.

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"Das geht auf keine Kuhhaut": Da Pergament eher aus Schafsleder hergestellt wurde, wurde das große Stück, das man bei Verarbeitung einer Kuhhaut bekam, sprichwörtlich. Der Kuckuck muss als Umschreibung des Teufels herhalten ("zum Kuckuck", "hols der Kuckuck") und gleichzeitig als Bezeichnung für den Adler des Amtssiegels. Vogelfrei bezieht sich darauf, dass Geächtete so schutzlos waren wie Vögel, die jedem, der sie erwischte, ohne Einschränkungen ausgeliefert waren.

Aber wieso Cocktail, "Hahnenschwanz"? Manche Etymologen bringen die Buntheit des Hahnenschwanzes mit der Vielfalt der Cocktails in Zusammenhang. Andere führen den Namen auf die ersten Cocktails zurück, die auch aus Eiern bestanden und den Ruf hatten, die Potenz zu fördern. Am plausibelsten klingt, dass sich der Name auf die gestutzten Schweife von nicht reinrassigen Pferden bezieht, die wie ein Hahnenschwanz nach oben stehen (und im Englischen auch so heißen). Der Zusammenhang? Mischgetränke sind ebenfalls nicht "reinrassig".

Auch das Cockpit stammt aus dem Zusammenleben mit Tieren und erinnert an den grausamen Zeitvertreib des Hahnenkampfs: Damit den Tieren nichts anderes bleibt, als aufeinander loszugehen, setzte man sie in eine enge Grube.

Der Löwenanteil geht auf eine Fabel Äsops zurück: Der Löwe als der Stärkste beansprucht die gesamte Beute bis auf ein paar Knochen. Viel Zuspruch erhält der Löwenmut, obwohl die anderen unverhältnismäßig mehr Mut brauchen, vor allem, wenn sie sich in die Höhle des Löwen begeben, in die Höhle dessen, der stets auf dem Löwenanteil besteht. Über diese Höhle berichtet Äsop, dass ein älterer Löwe sich krank stellt und die anderen Tiere bittet, ihn zu besuchen. Der Fuchs, unabhängig und wie der Löwe nicht gerade von lammfrommer Denkungsart, lässt die anderen vor, um dann festzustellen, dass viele Spuren in die Höhle führen, aber keine heraus.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-31 16:18:10
Letzte nderung am 2017-08-02 10:30:08



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