• vom 12.08.2017, 16:00 Uhr

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Wonder Woman




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Von Mario Rausch


    Dass sich Hollywood gerne antiker Stoffe bedient, ist nichts Neues: vom Krieg um Troja bis zum römischen "Gladiator" reicht das Spektrum an Historienfilmen, die sich eher weniger als mehr an die antike Überlieferung halten.

    Besonders gewagt ist die Vermischung mythologischer, historischer und fiktiver Elemente in dem jüngst angelaufenen Film "Wonder Woman": Gegen Ende des Ersten Weltkrieges lebt auf der "Paradiesinsel" Themiskyra das Kriegervolk der Amazonen unter der Herrschaft von Königin Hippolyta und deren Schwester Antiope. Sie haben sich dem Kampf gegen ihren Erzfeind, den Kriegsgott Ares, verschrieben und hüten den "Gotttöter", ein Schwert, das den Kriegsgott zerstören kann. Das einzige Kind ist Prinzessin Diana: sie soll von Hippolyta aus Ton geformt und von Zeus zum Leben erweckt worden sein. Dieser Diana alias "Wonder Woman" gelingt es gemeinsam mit ihrem Liebhaber, den wahren Kriegstreiber des Ersten Weltkrieges zu enttarnen und diesen modernen Ares zu töten.

    Information

    Mario Rausch studierte Klassische Archäologie/Alte Geschichte und lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.

    Was aber ist nun antik an diesem wilden Ritt durch Raum, Zeit und Fiktion? Themiskyra gab es im Altertum wirklich, doch war es keine Insel, sondern eine Stadt an der türkischen Schwarzmeerküste. Dort soll sich das mythische Frauenvolk der Amazonen, vom Balkan kommend, niedergelassen haben.

    Zahlreiche Sagen ranken sich um dieses Kriegervolk und seine königlichen Anführerinnen. So bestand eine der zwölf Aufgaben des Superhelden Herakles darin, den Zaubergürtel Hippolytas (ein Geschenk ihres Vaters Ares) zu stehlen. Sein Glanz vermochte Hippolytas Gegner zu blenden. Die Amazonen unterlagen in der Schlacht gegen Herakles, Hippolytas Schwester Antiope wurde gefangen genommen. Im Austausch gegen sie händigte die Amazonenkönigin Herakles ihren kostbaren Gürtel aus.

    Eine antike Amazone Diana ist nicht bezeugt. Ihre Erschaffung aus Ton erinnert aber an die Erschaffung des Menschengeschlechts durch Prometheus: Er soll die ersten Menschen auf diese Weise geformt und auch mit allen Fähigkeiten der Kultur ausgestattet haben.

    Die Liebesgeschichte der "Wonder Woman" Diana mit einem Sterblichen erinnert wiederum an den Mythos von Theseus und Antiope: Der athenische Stadtheld hatte an der Seite von Herakles gegen die Amazonen gekämpft, sich dabei unsterblich in Antiope verliebt; er raubte die Amazonenprinzessin, machte sie zu seiner Frau und zeugte mit ihr Sohn Hippolytos.

    Die Macher von "Wonder Woman" haben also Versatzstücke antiker Sagen zu einem modernen Mythos zusammengefügt, in dem die Amazonenprinzessin Diana als idealistische Heldin einer von Kriegen erschütterten Welt wieder Frieden und Versöhnung bringt.





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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-10 17:57:06
    Letzte ─nderung am 2017-08-10 18:24:53



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