• vom 18.08.2017, 16:37 Uhr

Glossen

Update: 21.08.2017, 14:22 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Ein Wahlkampfslogan muss ins Wählerhirn reingehen wie heißer Draht in Butter. Leider gelingt das nicht immer, und es kommt nur ein Buttermesser raus.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

"Hol Dir, was Dir zusteht", lässt die SPÖ gerade plakatieren. Und wird dafür geprügelt. Der Slogan sei klassenkämpferisch (Wie kann man nur! Und das bei einer sozialdemokratischen Partei!), sagen die einen. Er bediene den Neid, sagen die anderen und lassen sich dann auch den zweiten Schuh putzen. Aber kritisieren ist einfach. Wie sehen eigentlich die Sprüche der anderen Parteien aus?

Liste Kurz (ehem. Österreichische Volkspartei): "Ich hab schon, was mir zusteht." Das PR-Genie Sebastian Kurz weiß, wie man die Wähler anspricht. Er fordert seine Anhänger nicht auf, sich etwas zu holen. Erstens ist das anstrengend, verlangt Eigeninitiative und Bewegung, und das faule Personal möchte dann auch noch Geld dafür haben, zweitens haben ÖVP-Wähler schon alles. Und wollen das auch behalten. Kurz will das nur noch für sie verteidigen. Auch mit Panzern, wenn es sein muss.


FPÖ: "Ich hol mir, was nur reingeht."

Nur sechs Jahre in der Regierung und noch immer sind ehemalige FPÖ-Regierungsmitglieder damit beschäftigt, Prozesse zu vermeiden, der Justiz zu entfliehen oder Strafen auszufassen. Das soll bei der nächsten Regierungsbeteiligung anders werden. Geplant ist ein Anti-Anti-Korruptionsgesetz mit einem Paragrafen, der Kleptokratie als lustiges Gesellschaftsspiel definiert. Wer würde anders handeln, wenn er könnte?

Die Grünen: "Der Teufel soll Euch holen, wenn Ihr jetzt geht!" Die Grünen haben schon bessere Zeiten gesehen. Nach internen Zerwürfnissen, Parteiaustritten und -neugründungen muss die einstige Ökopartei um jede Stimme kämpfen. Und um jeden Mandatar. Eine grobe Verwünschung, die man allen, die sich auf den Weg in eine neue politische Heimat machen, nachruft, hilft da zwar nicht - aber sie erleichtert.

Neos: "Ich holareduliö, weil es mir gut geht." Die Neos sind positiv. Sie wollen Dinge bewegen, anstoßen, verändern, Aktivität entwickeln, Menschen mitreißen. Gut, das tut ein Murenabgang auch . . . Die Neos sind aber nicht so gefährlich. Hier handelt es sich mehr um ein hyperaktives Kind.

Liste Pilz: "Ich hol Dich, wenn es nicht geht." Die Liste Pilz kümmert sich um Menschen am Rand der Gesellschaft. Ob ausgemusterte Abgeordnete, abgelegte Parteimitglieder, an Parlamentskantinen ausgesetzte Funktionäre . . . der Ex-Grüne betreibt Politiker-Recycling auf höchstem Niveau und zeigt so, dass Ökologie und soziales Gewissen miteinander vereinbar sind.

Liste G!LT: "Wir holen alle, denen es nicht gut geht." Die Liste G!LT ist quasi im Vergleich zu den anderen Parteien so etwas wie Uber gegenüber Taxifahrern: Man hofft, dass die auch wissen, wo sie hinfahren. Klar ist: Sie will alle Unzufriedenen ansprechen. Und da auf einen zufriedenen Wähler vier unzufriedene kommen, wäre eine Zweidrittelmehrheit theoretisch in Reichweite.

Während die anderen Parteien sich also mit derart unverwechselbaren Sprüchen positionieren, rudert die SPÖ sloganmäßig wieder ein Stück zurück und zitiert angeblich auf der neuen Plakatwelle Karl Valentin: "Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-18 16:43:04
Letzte ─nderung am 2017-08-21 14:22:04



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