• vom 22.08.2017, 15:56 Uhr

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Update: 23.08.2017, 12:03 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Es bleibt ein Geheimnis, wie die Wörter in den Duden kommen




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Die 27. Auflage des Duden wurde mit 5000 zusätzlichen Eintragungen aufgepeppt. Einige Neuaufnahmen sind nicht nachvollziehbar.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka. Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Eben ist "Österreichisch fia Fuaßboifäns" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Wer sich mit den neuen Wörtern im Rechtschreib-Duden befasst, kann es nicht lassen, eine Satire zu schreiben. "So richtig modern und am Puls der Zeit zu sein: Wer wäre das nicht gerne? Auch der am Odium einer gewissen Überwuzelung leidende Duden wird offenkundig vom Wunsch nach Hippness getrieben," schreibt Christoph Winder im "Standard". Mit diesem Ziel vor Augen habe die Redaktion "einen ganzen Schock Vokabeln mit dem Charisma des mehr oder minder Brandneuen" in die jüngste Ausgabe übernommen. Mit Wörtern wie Fake News, postfaktisch, Willkommenskultur, tindern, pixelig, facebooken, liken, chillig und gegenchecken kann sich der Kolumnist abfinden, aber das Wort Honk stößt ihm sauer auf: "Nachweise, dass dieses Jargonwort für Dummkopf in Österreich je gehört ward, existieren nicht, wir scheinen es eher mit einer Spezialität aus Deutschland zu tun zu haben." Das sei ein Indiz dafür, "dass sich in Österreich der Honk kaum gegen den Trottel durchsetzen dürfte".

Im Einserkastl des "Kurier" zeigte sich Guido Tartarotti erfreut, dass das alte Wort futschikato endlich aufgenommen wurde. Einige Tage später ergänzte Andreas Schwarz, dass man hierorts pfutschikato sagt: So wie wir Pfurz und nicht wie die Deutschen Furz sagen. Er bedauerte, dass "ein anderes Pf-Wort, das eine andere Belüftungsart betreffende pfnausen", nicht aufgenommen wurde. Dabei ist es in Peter Roseggers "Waldheimat" genauso zu finden wie in Vinzenz Chiavaccis "Adabei in Marienbad". "Es klingt, wenn es laut auf den ersten drei Buchstaben betont wird, so wie das, was es beschreibt: aus der Nase schnauben, so dass man es hört." Die Kommentare der von mir geschätzten Kollegen treffen den Nagel auf den Kopf. Dass der Duden Anglizismen aus der neuen Medienwelt aufnimmt, ist verständlich. Dazu gehören der Adblocker, das Emoji, das Hashtag, Instagram, der Livestream, das Selfie, Snapchat, das Tablet, Twitter und WhatsApp. Warum der Honk aufgenommen wurde, bleibt ein Rätsel. Gleiches gilt für den Flexitarier, laut Duden "ein Kunstwort für jemanden, der nur sehr selten Fleisch oder Fisch ist".

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Dem Vorwort entnehme ich, dass der Redaktion eine elektronische Textsammlung aus Zeitungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, aber auch aus Romanen und Sachtexten zur Verfügung steht. "Für die Auswahl der Aufnahmekandidaten sind vor allem die Häufigkeit des Auftretens und die Verbreitung über verschiedene Textsorten hinweg, also der allgemeine Gebrauch entscheidend." Hinzu kämen als Kriterien mögliche rechtschreibliche Schwierigkeiten oder grammatische Fragen.

Dass Honk besonders frequent war, schließe ich aus, rechtschreibliche oder grammatische Schwierigkeiten kann ich nicht erkennen. Warum der Honk - und nicht der Dillo, der Surm?

Die von Mannheim nach Berlin übersiedelte Redaktion hat erstmals ick und icke aufgenommen, sogar mit Beispielsätzen: "Ick hab keene Zeit!" und "Wat denn, icke? Bin icke jemeint?" In Deutschland fordern namhafte Linguisten wie Ekkehard Felder von der Universität Heidelberg, der Duden möge im Sinne einer besseren Transparenz die Kriterien für die Aufnahme von Wörtern offenlegen.




Schlagwörter

Sedlaczek am Mittwoch, Duden

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-22 16:00:04
Letzte nderung am 2017-08-23 12:03:06



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