• vom 16.09.2017, 11:00 Uhr

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Antike Zeitmessung




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Von Mario Rausch


    "Sperrst du den Mund auf und richtest / die Nase der Sonne entgegen, zeigst du / den Wanderern stets treulich die Stunden / des Tages." (Anthologia Greaca XI, 418). Dieses dem römischen Kaiser Trajan zugeschriebene Epigramm beschreibt die einfachste Art antiker Zeitmessung: mit Hilfe des eigenen Schattens. Je länger der Schatten, desto früher bzw. später am Tag war es. Beim Komödiendichter Aristophanes ist davon die Rede, dass die Athener sich zu Tisch begaben, wenn der menschliche Schatten zehn Fuß lang war.

    Diese "menschliche Schattenuhr" war offenbar Teil des antiken Alltags, wie zahlreiche Schattentafeln belegen - Tabellen, in denen diverse Schattenlängen des Körpers den Tagesstunden zugeordnet waren. Die früheste erhaltene Tabelle datiert um 200 v. Chr., doch auch noch im Mittelalter fanden solche Tabellen Verwendung.

    Information

    Mario Rausch, geboren 1970, studierte Klassische Archäologie/ Alte Geschichte; lebt als freier Publizist in Klagenfurt und Wien.

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    So einfach diese Methode auch sein mag, eine genaue Zeitmessung ermöglicht sie nicht. Daher übernahmen die alten Griechen schon früh aus dem Orient die Zeitmessung mit Hilfe von Sonnenuhren, wie der Historiker Herodot berichtete. Anderen Autoren zufolge soll der ionische Naturphilosoph Anaximander (frühes 6. Jh. v. Chr.) eine Sonnenuhr konstruiert haben.

    Die ausführlichste antike Überlieferung in Bezug auf Sonnenuhren findet sich dann in römischer Zeit, beim Architekturtheoretiker Vitruv. In seinem berühmten Werk über die Baukunst bezeichnet er die Gnomonik, die Lehre von den Sonnenuhren, als einen der drei Architekturbereiche neben der "aedificatio" (Konstruktion und Ausführung von Gebäuden) und der "machinatio" (Lehre von den für Bauvorhaben erforderlichen Werkzeugen und Instrumenten).

    Vitruv erläutert die damals zugänglichen Erkenntnisse über die Bewegungen der Erde und Gestirne, die griechische Mathematiker und Astronomen in klassischer, vor allem aber in hellenistischer Zeit errungen hatten. Gestützt auf diese Erkenntnisse entwirft Vitruv das Analemma, ein Schema, mit dessen Hilfe jede beliebige Sonnenuhr konstruiert werden konnte. Ferner nennt Vitruv die vielen, zu seiner Zeit gängigen Arten von Sonnenuhren und deren Erfinder. Die meisten antiken Sonnenuhren fand man übrigens in Pompeji (rund 30 Exemplare), gefolgt von Delos, Athen, Aquileia und Ostia.

    Einfacher als das Messen der exakten Uhrzeit war das Festlegen einer bestimmten Zeitspanne. Traten zum Beispiel die Redner vor die athenische Volksversammlung, hatten sie nur eine genau festgelegte Redezeit zur Verfügung. Diese maß man mit einer einfachen Wasseruhr, der sogenannten Klepsydra ("Wasserdieb"), bei der das Wasser von einem Gefäß in ein anderes lief und so dem Redner anzeigte, wann er aufzuhören hatte.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-09-15 16:06:21
    Letzte ─nderung am 2017-09-15 16:21:35



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