• vom 15.09.2017, 18:19 Uhr

Glossen

Update: 19.09.2017, 15:57 Uhr

Glossenhauer

Luchsus Probleme




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Von Severin Groebner

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  • Ob im Wald, in der Welt oder bei der Wahl: Es bleiben so viele Fragen offen.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair. Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Es ist so vieles unklar. Nehmen wir zum Beispiel den Luchs aus dem Pinzgau, der tot in Bayern aufgefunden wurde. Dessen merkwürdiges Ableben produzierte die schöne Schlagzeile: "Luchs ohne Kopf und Pfoten - Todesursache unklar". Da kann man nur spekulieren: Hat er sich selber den Schädel abgerissen, dann die eine Pfote und dann die . . . nein das geht nicht. Oder er hat sich auf den nächstgelegen Schienenstrang gelegt und gewartet, bis der Regional-Express sein Dasein beendet. Vielleicht hat er sich noch gedacht: "Rex, mach mich ex." Die Gründe für diesen möglichen luchs-uriösen Suizid liegen im Dunklen.

Auch anderes wird wohl nie mit Sicherheit geklärt werden können. Wenn man sich etwa ein Gespräch mit den Spitzenkandidaten der wahlwerbenden Parteien anschaut, bleiben Fragen offen: Warum legt Sebastian Kurz immer den Kopf zur Seite, bevor er antwortet? Muss da im Hirnkastel erst was zusammenrinnen? Oder ist die Frisur einfach zu schwer? Wie oft kann HC Strache innerhalb eines Satzes Luft einsaugen? Und wirken pffft seine pffft Antworten deshalb immer so pfffft leicht pffffffft unentspannt pffffft? Und glaubt Christian Kern wirklich, dass er diese Wahl noch gewinnt? Wenn ja: Warum eigentlich?

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Aber auch am unteren Ende des Parteienspektrums beziehungsweise Wahlzettels tun sich Fragen auf. Wer die "ZiB2" gesehen hat, in der Vertreter der "Weißen" und von "G!LT" zu Gast waren, kann sich nicht ganz sicher sein über die Irrealitätspotenziale von Innen- und Außenwelt. Oder anders gesagt: "Spinn i - oder spinnen die?" So kann die Liste "G!LT" nicht sagen, ob sie für oder gegen die Todesstrafe ist, und die "Weißen" sehen sich bei 10 Prozent am Wahlabend. Aber vielleicht meinen sie auch damit den Alkoholgehalt des Weins, den sie am 15. Oktober brauchen werden.

Dass Verrücktheit aber kein Hindernis für eine strahlende politische Karriere war und ist, beweist nahezu täglich das nordkoreanische Politpubertier Kim Jong-un. Nur weil ihn sein Vater nie mit den Wasserstoffbomben hat spielen lassen, muss er jetzt dauernd mit Raketen um sich werfen. Atomwaffenaufmerksamkeitsdefizitsyndrom heißt das, glaub ich. Gottseidank weiß man, dass auf der anderen Seite ein behutsamer, wohl abwägender und besonnener Staatenlenker im Weißen Haus sitzt. Na. Blöder Witz, ich weiß.

Dass angesichts dieser internationalen Gemengelage ein militanter Paranoiker mit Hang zum nackten, männlichen Oberkörper wie Wladimir Putin (bitte niemals französisch aussprechen) wie ein durchschnittlicher Würstelstandbesitzer mit Schrebergartenhütte wirkt, beruhigt einen auch nicht wirklich. Denn da lässt er schon ein paar zehntausend Soldaten an der polnischen Grenze Krieg spielen, damit man merkt, dass er auch nicht ganz unmatschig in der Marille ist.

Total rational dagegen ist Facebook, die sympathische Datenkrake aus Übersee. Dort kann man für kleines Geld mit Werbung ausgesuchte Antisemiten erreichen. Da bekommt das Wort "Zielgruppe" eine völlig neue Bedeutung: eine Gruppe, die zielt.

Aber vielleicht erklärt all das wenigstens den Fall des Luchses. Der hat einfach zu viele Nachrichten konsumiert. Und dann . . . fiat luchs.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-15 18:24:08
Letzte ─nderung am 2017-09-19 15:57:14



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