• vom 21.09.2017, 16:09 Uhr

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NRW17

Sei ein Mann, geh aufs Frauenklo!




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Wer "ein Mann" sein will, hat oft keine andere Wahl, als in eine No-go-Area reinzuspazieren. Mit einer Windel. Aber nicht, weil er selber Schiss hätte.



Was macht ein Mann auf der Damentoilette? Das ist übrigens keine Scherzfrage. Klingt allerdings wie eine. Wie: Was macht eine Blondine in der Wüste? Staubsaugen. (Und was soll daran, bitte, komisch sein? Die ist doch hochbegabt! Ich zumindest würde in der Wüste wahrscheinlich keine Steckdose finden.)

Okay, und was macht jetzt ein Mann wirklich auf dem Frauenklo? Na ja, ein Mann sein. Aha. Wann ist man denn "ein Mann"? Das wissen die Grünen. Die plakatieren das gerade überall hin. "Sei ein Mann . . ." Und weiter? Hol dir, was dir zusteht? (Zu rot.) Lass DIR zurückgeben, was SIE DIR nehmen? (Zu blau.) Tu, was richtig ist? Für Österreich? (Zu türkis.) Pinkel im Sitzen? (Grüner.) Geh in Väterkarenz? (Noch grüner.) Wähl eine Frau? (Grün!) Ist ein bissl sexistisch, oder? Dieses Wahlplakat wendet sich immerhin ausschließlich an die größte Minderheit im Land: die Männer. Hallo? Die Frauen haben ebenfalls schon das Wahlrecht. Wo ist ihr Plakat? ("Sei eine Frau: Wähl keinen Mann.") Und hätte man diese Wahlempfehlung nicht geschlechtsneutraler formulieren müssen? ("Sei ein Mensch: Wähl eine Person.")

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Was heißt das überhaupt: "Sei ein Mann: Wähl eine Frau"? Dass nur Weicheier (und Frauen) ihr Kreuzl bei einem männlichen Spitzenkandidaten machen? Nein, dass die Gleichberechtigung nicht bloß Weiberkram ist. Eh nicht. Aber auch. Mindestens. Wenn nicht hauptsächlich. Oder machen die Frauen etwa nicht mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus? Und vor allem: der Wählerstimmen. Und in einer Demokratie bestimmt die Mehrheit. Die Frauen haben hier also das Sagen. Und wieso ist die Staatsreligion dann noch immer das Patriarchat? Weil das Patriarchat bei uns halt doch nicht Privatsache ist. Das glauben die Leute lediglich.

He, ich hab ihn gesehen. Live. Wen? Na, "ihn"! Den, der eine Frau wählen wird. Mutmaßlich. Der auf Damenwahl steht. Ach, der war im Fernsehen? I wo. Auf der Damentoilette. (Seit wann ist die ein Wahllokal?) Gut, ich hab ihn nicht sofort erkannt, drum hätte ich ihm fast eins mit der Handtasche übergezogen. (Büffelleder, gefüllt mit . . . Frauenpower.) Dabei wollte er nix weiter als: ein Putzi wickeln. Wo hätte er das sonst tun sollen? Auf dem Kaffeehaustisch? Er hätte Lokalverbot gekriegt. Die Gäste regen sich ja bereits über eine stillende Mutter irrsinnig auf. Für einen Windeln wechselnden Vater sind die einfach noch nicht bereit. Oder hätte er vielleicht der Kellnerin sein Baby aufnötigen sollen? ("Fräulein, könntens ma des wickeln?") Mit Windel und Babypuder ist er mutig in die neuen Zeiten geschritten. Hat sich vom Kleiderl auf dem Piktogramm nicht abschrecken lassen.

Dauernd ist die Rede von der Gleichberechtigung von Mann und Frau, doch wer kümmert sich eigentlich um die Gleichberechtigung von Frau und Mann? Warum sind die Männerklos nicht längst alle serienmäßig mit Wickeltischen ausgestattet? Ein paar hat man zwar inzwischen nachgerüstet, aber in den meisten manifestiert sich nach wie vor eine archaische, fundamentaltraditionelle Kultur.

Echte Geschlechtergerechtigkeit wird es sowieso erst geben, wenn sich die ÖVP nimmer so vehement dagegen sträubt. Gegen die flächendeckende Einführung der . . . Unisextoilette. Diese Gesamtschule des Lebens. (Müssen sich die Männer endlich auch anstellen. Vorm Häusl. Ätsch!)




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Dokument erstellt am 2017-09-21 16:15:08



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