• vom 06.10.2017, 15:26 Uhr

Glossen

Update: 09.10.2017, 15:13 Uhr

Glossenhauer

He, Wähler!




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Von Severin Groebner

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  • Was erzählen uns Wahlplakate? Ein kleiner Spaziergang durch den Plakatwald in Vorwahlzeiten.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair. Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Wer durch die Stadt geht, wird angebrüllt. Optisch. Von allen Seiten.

Heinz-Christian "Photoshop formte diese blauen Augen" Strache lacht da ein bisserl grimmig von den Plakaten herunter, auf denen Botschaften transportiert werden. Damit man weiß, welche, sind sie in meinem schwarzen Kastl eingefangen. Wie auf den Zigarettenpackerln, auf denen steht: "Rauchen kann tödlich sein." So warnen die FPÖ-Plakate vor der eigenen Partei, da diese ja nur "Stillstand, Streit und leere Versprechen" auf Lager hätte. Das kleine Wörtchen "statt" überliest sich da leicht.

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Sebastian Kurz, der Hoffnungsträger der Gemeinschaft der Lodenjanker, lässt dafür plakatieren: "Es ist Zeit." Und damit hat er natürlich recht. Genauso gut hätte er allerdings auch plakatieren können: "Es ist Wetter." Oder: "So jung komma nimma zsam." Oder auch: "Eins und eins ist zwei." Was einen erwartet, wenn die ÖVP im Bundeskanzleramt sitzt, verrät ein anderes Plakat: "Diesmal Kurz!" steht da groß geschrieben. Was darauf hinweist, dass selbst die eigene Partei nicht daran glaubt, dass der Schmäh vom Ohrwaschelkaktus zweimal funktionieren wird.

Ganz anders die SPÖ. Die strotzt nur so vor Selbstbewusstsein, und man fragt sich, warum. Der Bundeskanzler behauptet auf seinen Plakaten, "XERFAHRUNG" und auch wirtschaftlichen "XERFOLG" zu besitzen. Was er leider nicht hat, ist eine Xahnung, was seine Partei im Xinternet so treibt. Aber vielleicht ist "Xerfahrung" auch das Wort für den Zustand einer Partei, in der die eine Hand nicht weiß, was die andere tut, und der burgenländischen Kniescheibe missfällt, was die Wiener Großhirnrinde denkt.

Die Grünen sind anders verwirrt. "Wer grün denkt, aber rot wählt, kann blau bekommen", plakatieren sie. Eh. Alte Heurigenweisheit: Wer genug grünen Veltliner sauft, bis die Nase rot wird, kommt blau heim. Nur leider ist die Farbkompetenz der Grünen etwas zweifelhaft, denn auf jedem zweiten Plakat steht in weißer Schrift auf einem rosa Kastl: "Das ist grün." Nun, genau das ist es nicht.

Apropos Rosa: Die Neos haben ihre Plakate offenbar im Badezimmer fotografiert. Matthias "ich und mein Schamane" Strolz und Irmgard "konjugiere dieses Verb" Griss stehen da vor dem Spiegel und lesen sich selbst ihre Schlagworte vor. Das ist schön. Für sie. Der Wähler steht leider draußen und kann nichts lesen. Möglicherweise ein Vorgeschmack auf pinke Sozialpolitik.

Kollege Roland Düringer dagegen hat gar kein Plakat. Dafür lädt er eine Fuhre Mist vor dem Parlament ab. Eine Aktion, die wohl seine urdemokratische Gesinnung unterstreichen soll. Der Autor kann sich noch erinnern, als das letzte Mal Müll auf der Ringstraße abgeladen wurde: 1988 bei der Uraufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz". Das einzige Stück, bei dem nachweislich HC Strache im Burgtheater war. Letztlich aber wurscht - das Parlament tagt ja ohnehin derzeit in der Hofburg. Das hat Düringer anscheinend noch nicht mitbekommen.

Für die Zukunft sei gesagt: Alle Experten sind sich einig, dass der Wahlkampf sich nur noch im Internet abspielen wird. Und das ist eine gute Nachricht. Schließlich kann man dann offline gehen - und in aller Ruhe durch die Stadt spazieren.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-06 15:31:04
Letzte nderung am 2017-10-09 15:13:03



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