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Update: 13.10.2017, 14:18 Uhr

Maschinenraum

Weltbekannt in Österreich




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Von Walter Gröbchen

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  • Der Puch 500 war einst der Stolz der heimischen Autoindustrie. Warum dieses exzeptionelle Micro Car nicht neu wagen?



Das war jetzt eine Entscheidung aus der Hüfte. Oder, zutreffender: aus dem Herzen. Denn eigentlich lägen andere, brisantere Themen an: von den lustig sprechbegabten, also dialogfähigen, aber auch ständig lauschenden Google Home-, Amazon- und Apple-Lautsprechern über neue Batterietechniken für die Elektromobile der Zukunft bis hin zum rasanten Auf und Ab der Kryptowährungen.

Und freilich könnte, nein: müsste man auch noch intensive Nachfragen bei der geplanten sicherheitstechnischen Überwachung (Stichwort: "Staatstrojaner") der digitalen Sphäre Österreichs stellen.


Aber dann bog dieses Spuckerl um die Ecke. Es wirkt - heute noch mehr denn je - fast wie eine Parodie auf ein ausgewachsenes Auto. Zugleich aber wie eine frühe Vorahnung visionärer Smart Cars. Für Kinder oder Zwergwüchsige ist dieses Kraftfahrzeug definitiv nicht gedacht, auch wenn sich Erwachsene oft fragen, auf welchem Weg sie da überhaupt reinschlüpfen könnten. Bis sie dann drinnen sitzen. In einem Puch 500. Einem prototypischen Klein-, nein: Kleinstwagen. Es handelt sich um eines jener seltenen Gefährte, die uns seit jeher vertraut vorkommen - auch wenn man heute eines Originals kaum mehr ansichtig wird.

Außer vielleicht in der Steiermark: dort wird dieses Auto liebevoll "Puch-Schammerl" genannt.

1957 lief der erste Puch 500 in Graz-Thondorf vom Fließband. Sein Hersteller - die österreichische Steyr-Daimler-Puch AG - hatte auf eine eigene Karosseriefertigung verzichtet und einfach die Rohkarosserie des Fiat Nuova 500 in Italien eingekauft. Der eigenständig entwickelte, luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor mit 16 PS und vollsynchronisiertem Getriebe zeigte den Fiat-Ingenieuren aber, was eine Harke ist.

Er lief bei gleichem Benzinverbrauch ungleich ruhiger und war zumindest subjektiv deutlich kräftiger als der italienische Reihenmotor. Später dann wurde die Leistung bis auf unglaubliche 41 PS gesteigert - im Model 650 TRII, aber das war vergleichsweise eine Rennsemmel. Es gab freilich auch Cabrios, Lieferwagen, Polizei- und Postausführungen.

Der Puch 500 war ein erstaunlicher Erfolg. Gut 60.000 Exemplare wurden zwischen 1957 und 1975 verkauft, der überwiegende Teil in Österreich, aber es gab auch Exporte - unter anderem nach Finnland, nach Japan oder auch nach Guatemala. Für probat erhaltene Exemplare zahlt man heute Liebhaberwerte, die den ursprünglichen Anschaffungspreis weit übersteigen - bis zu 40.000 Euro.

Warum auf diesen Nischenerfolg aber nichts Gescheites mehr nachfolgte und letztlich der Mischkonzern Steyr-Daimler-Puch - der unter anderem mit dem "Steyr-Baby" einst der hoffnungsfroheste österreichische Automobil-Hersteller war - in seine Einzelteile zerlegt und unter anderem an den Austro-Kanadier Frank Stronach ("Magna") verkauft wurde, darüber gälte es eher einen zornigen Roman denn eine launige Kolumne zu schreiben. Einen Puch 500 2.0 mit Elektromotor aber sollte sich die Werksleitung in Graz allemal durch den Kopf gehen lassen - als positives Fanal für die Zukunft.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-11 16:06:06
Letzte nderung am 2017-10-13 14:18:08



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