• vom 13.10.2017, 17:25 Uhr

Glossen

Update: 16.10.2017, 15:45 Uhr

Wahlen

Veränderung, kurz gesagt




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Endlich hat sich etwas in dieser Republik getan. Mit "Es ist Zeit" hatte es angefangen. Und womit wird es aufhören? Eine Retrospektive.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

2067. Die Stimmung ist gut. Das Fest ist rauschend. Die Vertreter der einzig verbliebenen Partei sind mit obligatorisch guter Laune angetreten. Der Jubilar erscheint. Ach, wer hätte das gedacht? Dass dieser Mann... obwohl so richtig "Mann" war er damals noch gar nicht, mehr so Ohren mit Anzug, aber... egal.

Jetzt sind alle Blicke auf ihn gerichtet. 50 Jahre Kanzler! Klar haben ihm damals einige eine große Zukunft vorausgesagt. Aber doch nur im Rahmen des Denkbaren. Ein, vielleicht zwei, oder gar drei Legislaturperioden. Ein paar Korruptionsfälle mehr, ein bisserl Umverteilung von unten nach oben, damit hatte man achselzuckend gerechnet vor der Wahl. Aber niemand hätte auch nur im Entferntesten damit gerechnet. Und selbst wenn: Es hätte niemand geglaubt, wenn es einer gesagt hätte.


Obwohl damals das Gesetz der "Objektivierung der Information der Bevölkerung zum Zwecke der Verösterreichisierung der Medienlandschaft" noch gar nicht in Kraft war. Ja, die täglichen "Kurzmitteilungen", die jeder Österreicher auf sein Handy kriegt, konnte sich damals noch keiner vorstellen. Aber er hatte sie alle überrascht. Die eigene Partei, die Bevölkerung und natürlich den Koalitionspartner.

Wer hätte auch angenommen, dass er so weit gehen würde, die gesamte FPÖ-Spitze 2020 wegzusperren? Natürlich waren die Vorwürfe gegen Strache, Kickl, Hofer und Haimbuchner wegen ihrer russischen Geheimdienstkontakte berechtigt, aber dass er einfach die gesamte FPÖ in seine Partei einverleiben würde... das konnte sich damals noch keiner vorstellen.

Und das blieb nicht der letzte "kurze Prozess", den das Land sehen sollte. "Er ist halt gelernter Integrationsminister", hatte der damals noch amtierende steirische Landeshauptmann feixend gesagt. Als es noch Landeshauptleute gab. Und nicht nur "Kurzerhandpuppen", wie die neuen, vom Kanzler selbst eingesetzten Verwaltungschefs am Land genannt wurden. Ja, vieles war seinerzeit undenkbar.

Das "Kurzarbeitsgesetz" von 2022 etwa, das jeden Arbeitnehmer verpflichtete, bis zu 16 Stunden im Betrieb sein zu müssen. Oder die neue "Kurzfassung" der österreichischen Republik 2023, die mit der undurchsichtigen, kakophonischen Vielparteiendemokratie aufräumte, zugunsten der "Kurzwelle": einer einzigen, staatstragenden Bewegung, in der sich kaum einer mehr zu rühren traute. Auch die Medienreform von 2025, die so manche unangenehme Publikationen und Journalisten zur Kurzstrecke gebracht hatte, hätte sich keiner träumen lassen.

Und dass der Schließung der Balkanroute - nach der massiven Auswanderungswelle 2019 - der "Kurzschluss" folgen sollte, also die Schließung sämtlicher Außengrenzen, war undenkbar. So besoffen war man seinerzeit von der Angst vor den Flüchtlingen, dass sich niemand vorstellen konnte, selbst einmal fliehen zu wollen.

Ja, er, der "Basti" hatte alle überrascht. Was würde er also nun zu seinem 50. Regierungsjubiläum sagen? Da! Der "Kurzzeitkanzler" öffnet seinen Mund, die Mediendrohnen umkreisen ihn, und er sagt in schönstem Meidlingerisch: "Mit dem Silberstein haben wir eine richtige Sau g’habt." Ja, nicht einmal sein großes Vorbild, der Schüssel, hätte es schöner sagen können.




Schlagwörter

Wahlen, Kurz

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-13 17:30:04
Letzte nderung am 2017-10-16 15:45:06



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