• vom 27.10.2017, 18:08 Uhr

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Update: 06.11.2017, 10:23 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Der Nationalfeiertag ist gerade vorüber, die Nation als solche ist es wahrscheinlich auch bald.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair. Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Unterdrückte, wohin man blickt. Die Katalanen fühlen sich von Madrid unterdrückt, die Lombardei und Venetien von Rom. Dass die Schotten nicht die besten Haberer von London sind, hat sich auch schon herumgesprochen. Und regelmäßige Klagen der Bayern in Richtung Berlin gehören ebenfalls zur politischen Folklore. Nicht anders ist es bei uns.

Nach diesem Wahlsieg glauben sich zwar die Nationalisten hierzulande auf der Gewinnerstraße, aber ein Blick in die Geschichte zeigt: Es gibt immer einen, der noch engstirniger ist; der noch kleingeistiger denkt; der innerhalb der eng gesteckten Grenzen noch mehr Stacheldrahtzäune hochzieht.


So wird sich Österreichs nächste Regierung mit dem Mistrauen, das der Hauptstadt aus den Bundesländern entgegenschwappt, herumschlagen müssen. Noch dazu, wo ziemlich sicher sowohl Kanzler als auch Vizekanzler aus Wien kommen werden (der bürgerliche interessanterweise aus dem Arbeiterbezirk Meidling, aus der gutbürgerlichen Landstraße dafür der Prolet-Arier).

Da wird es wohl nicht lange dauern, bis das Virus des Separatismus auch auf unser schönes Land überspringt. Was aber tun, wenn die freie Republik Vorarlberg ausgerufen wird? Noch dazu in einer Sprache, die keiner versteht? Wie umgehen mit dem unabhängigen Reichsgau Kärnten? Wie soll man das Herzogtum Steiermark unter dem - eigens aus den USA importierten - Großherzog Arnold I. integrieren?

Soll man dann lang verhandeln oder lieber gleich die Lipizzaner satteln und die Hofreitschule in Galopp-Pirouetten in St. Pölten einmarschieren lassen? Wird man abtrünnige Salzburger mit Mozartkugeln aus dem Hause Hofbauer beschießen, während diese mit einer Salve der Marke Mirabell antworten? Werden die Wiener Philharmoniker die Einwohner des Freistaats Blaufränkien (ehemals Burgenland) mit der allerlangsamsten Version des Donauwalzers einzulullen versuchen? Stichwort: Akustik-Attacken in Kuba. Das werden heikle innerösterreichische Auseinandersetzungen werden, wenn die Regionalisten erwachen und zu lauter Einfalt und edler Kleinheit aufrufen.

Und hat man sich erst erfolgreich abgespalten, hört das Spiel ja nicht auf. Nur wenige Monate nach Tirols Unabhängigkeit werden sich die Osttiroler gegen den "Wasserkopf" Innsbruck erheben. Auch der Bürgerkrieg in Kärnten zwischen der "wahren" Hauptstadt Klagenfurt und der "echten" Hauptstadt Villach, ausgetragen zu Wasser und zu Land (da Tretboot, hier Golf GTI), wird Opfer fordern. Mehrere Schnapsleichen zumindest. Und wenn sich der Pinzgau erfolgreich vom Nerzbistum Salzburg sezediert hat, fühlen sich die Kapruner im Parlament von Zell am See unterrepräsentiert, und die Saalfeldener erklären sich während des Jazzfestivals für autonom mit den Worten: "Sagadagadudidudi-
tschapptschapp." Was die einen für einen Spruch im ureigenen, autochtonen Dialekt halten, ist für andere ein Skatgesang. Und schon ist man sich auch hier uneins.

Und sind Österreich und Europa endlich zersplittert in zehntausende Staatsgebilde in der Größe einer Schuhschachtel, dann . . . wird sich die EU neu gründen. Allerdings steht EU dann für "Eigentlich Unterdrückt". Und da simma dann daham.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-27 18:11:04
Letzte ─nderung am 2017-11-06 10:23:03



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