• vom 09.11.2017, 15:53 Uhr

Glossen

Update: 10.11.2017, 14:32 Uhr

Sexuelle Belästigung

#kreuzigtdiegrapscher




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Ist #metoo das moderne Golgatha? (Aber dieser Filmproduzent hat seine Kreuzigung doch eindeutig verdient.)



Überall seh ich nur noch Sexmonster, potenzielle. Nicht dass ich irgendwem was unterstellen will, aber seit so ein Hashtag mit immer neuen Geschichten daherkommt . . . (Über ältere mächtige Männer, die sich nicht zu benehmen wissen.) Und weil ich eine Frau bin, bin ich ja ohnehin gleich als Opfer vorverurteilt. Dieser Hashtag stalkt mich regelrecht. Dabei hab ich nicht einmal einen Twitter-Account. Auf Facebook treib ich mich ebenfalls kaum herum. Vielleicht sollte ich dieses Rautezeichen mit dem Schlagwort hinten dran ("Schlag-Wort" - klingt bereits so übergriffig) wegen sexueller Belästigung anzeigen.

"House of Cards" mit diesem Kevin Spacey kann ich mir sowieso bloß noch mit dem Speibkübel anschauen. Na ja, ich will halt trotzdem wissen, wie’s ausgeht. (Nach einem russischen Hackerangriff auf das Drehbuch von Staffel neun im Jahr 2020 wird der derzeitige Darsteller des echten Präsidenten der Vereinigten Staaten, also Donald Trump, mit noch nie da gewesener Mehrheit zum Francis Underwood gewählt werden.)


Ständig nervt mich der Hashtag, ich soll/muss endlich auch mein ganz persönliches #metoo-Erlebnis mit der Welt teilen. Sonst kommt das Schwein davon und ich mach mich der Beihilfe schuldig, wenn es wieder (Zutreffendes bitte ankreuzen) wen Schatzi nennt, begrapscht, unsittlich anredet. Ich hab eh schon ein total schlechtes Gewissen. Weil ich nix zu erzählen habe. Meine Liste hat null Punkte. (Na und? Geht’s hier darum, den Highscore zu knacken? Um Opfer des Monats zu werden?) Moment, der Kollege macht den Mund auf: "Magst Rosinen?" Und dann hält er mir auch noch anlassig das volle Packl hin. Der glaubt wohl, ich bin eine Mückenhafte. Bei denen überreicht das paarungsbereite Männchen dem Weibchen nämlich eine erlegte Fliege und darf nachher so lange kopulieren, bis dieses das Brautgeschenk ausgesaugt hat. "Na danke, i moch grod a Diät." So, das schreib ich jetzt aber auf: "Versuchtes Balzfüttern."

Seit dieser Sache mit dem Peter P. (vollständiger Name der Gleichbehandlungsanwaltschaft bekannt) bin ich eben ein bissl paranoid. Weil meinem Lieblingsoppositionspolitiker hätte ich so was doch genauso wenig zugetraut. Ja, was eigentlich? Okay, das muss erst noch im Detail . . . Und es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Wie für die mutmaßlichen Opfer. (No na.) Hm. Macht noch jemandem dieses massenhysterische Kreuzigen schön langsam Angst? Wie einer nach dem andern ohne ordentlichen Prozess ans Doppelkreuz (#) geschlagen wird? (Gut, dieser Produzent hat’s verdient. Wahrscheinlich.)

Den Schutz der Frau am Arbeitsplatz kann man auf Dauer freilich nicht nur einem Hashtag und der Gleichbehandlungskommission überlassen. Außerdem schützen die erst im Nachhinein. Nein, diese viel zu vielen Vorkommnisse verlangen mindestens nach . . . einer Mundschutzpflicht. Gegen Kussattacken? Blödsinn. Damit keiner den andern anlächelt. Und zwei Angestellte unterschiedlichen Geschlechts dürfen nimmer allein in einem Raum sein. (Wieso "allein"? Sind eh zu zweit.) Alle Türen bleiben offen! (Außer die vom Klo und vom Lift.) Dass der Chef in einer Zwangsjacke hinterm Schreibtisch sitzen muss, während er seiner Sekretärin was diktiert, verstößt aber vermutlich gegen die Menschenrechte. Am Ende wird jedenfalls die Burka aus beruflichen Gründen erlaubt sein - müssen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-09 15:59:04
Letzte ńnderung am 2017-11-10 14:32:17



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