• vom 10.11.2017, 17:42 Uhr

Glossen

Update: 15.11.2017, 16:23 Uhr

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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Wenn verhandelt wird, brauchen die Verhandler Ruhe. Vor allem Ruhe vor der Realität.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Man darf sich wundern. Nahezu ständig. Über die ÖVP etwa. Die Partei also, die gerne Vermummungsverbote ausspricht, sich aber selbst als "Bewegung" mit dem Namen "Liste Kurz" bis zur Unkenntlichkeit verschleiert, stellt gerne den Finanzminister. Und zwar schon seit dem Regierunsantritt von Karl VI. im Jahre 1711, glaub ich. Und trotzdem findet sie regelmäßig ein Loch im Budget. Vor allem dann, wenn sie gezwungen wird, mit anderen Parteien über Koalitionen zu verhandeln. Was ja an sich schon ein bisserl eine Frechheit ist, da es ja bekanntlich das natürliche Recht der ÖVP ist, über Österreich zu herrschen. Denn das ist ja eine Gnade für das Land. Findet zumindest die ÖVP. Oder die Liste Kurz. Oder die Bewegung bürgerlicher Bazis (BBB). Oder wie immer die sich gerade nennen.

Kaum sitzen die jedenfalls am Verhandlungstisch - schwupdiwupp -, ist plötzlich ein Budgetloch da. Das muss man dann ganz, ganz fest stopfen, weshalb man auch Steuererleichterungen verspricht und Vermögensteuern ablehnt. Deshalb muss ja auch gespart werden, damit man eine "schwarze Null" bekommt. Ob damit der jeweilige Finanzminister gemeint ist . . . man weiß es nicht. Aber wundern darf man sich.


Ebenso wundersam sind ja seit Jahren die Argumente, warum Vermögensteuern abgelehnt werden. Man würde mit solchen Maßnahmen "die Fleißigen bestrafen" und "Investoren abschrecken". Wie man aber jetzt durch die "Paradise Papers" erneut bestätigt bekommt, sind "die Fleißigen" eigentlich nur fleißig beim Geldverdienen. Und beim Verstecken. Und haben sichtlich ohnehin noch nie vorgehabt, irgendwelche Steuern zu zahlen. Die finanzieren lieber internationale Anwaltskanzleien, die ihnen helfen, hübsche Briefkästen in der Karibik zu füllen. Wie man diese Leute noch "abschrecken" kann, bleibt ein Rätsel. Aber vielleicht hätte es auch statt "Ab-" eher "Heuschrecken" heißen sollen. Man weiß es nicht . . . und wundert sich.

Dafür gibt es jetzt endlich wieder eine Klimakonferenz. Das Gastgeberland sind die Fidschi-Inseln. Deshalb tagt die Konferenz auch in Bonn am Rhein. Ist ja logisch: Jetzt, wo die Fidschis langsam absaufen - wegen des Klimawandels -, kann man die Delegierten doch nicht mit diesen unangenehmen Tatsachen konfrontieren. Da sind schließlich viele Regierungsvertreter dabei, die können mit der Wirklichkeit nicht umgehen. Darauf sind die doch nicht vorbereitet.

Viel schöner wäre es freilich, wenn die nächste Klimakonferenz auf einer Eisscholle ausgerichtet würde. Wenn schon immer wieder Eisberge in der Größe Vorarlbergs von der Antarktis abbrechen, kann man da doch die Damen und Herren Delegierten draufstellen und so lange verhandeln lassen, bis ein handfestes Ergebnis rauskommt. Ganz ohne Zeitdruck. Nur mit warmen Meeresströmungen . . . So gesehen sollte man vielleicht auch die Regierungsverhandlungen übers Budget in die AMS-Zweigstelle Favoriten verlegen. Aber das passiert natürlich nicht.

Dafür wird das Umweltbundesamt nach Klosterneuburg verlegt. Schon Karl VI. wollte sich dort eine schöne Residenz bauen. Ist aber nicht fertig geworden. Loch im Budget. Wie immer. Nicht verwunderlich.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-10 17:47:03
Letzte ńnderung am 2017-11-15 16:23:03



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