• vom 06.12.2017, 15:39 Uhr

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Maschinenraum

Wohlbestellte Minenfelder




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Von Walter Gröbchen

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  • Euphorie, ja Hysterie einerseits - strikte Ablehnung andererseits. Wie soll man mit den aktuellen Hypes um Bitcoin, Alexa & Co. umgehen.



Es gibt aktuell zwei Themen, bei denen man sich als Berichterstatter nur die Finger verbrennen kann. Geschweige denn als polemisierender Kolumnist. Beide Themenfelder sind so überhitzt, umstritten und doppelbödig, dass man - egal, welche Position man einnimmt - fast nur verlieren kann. Weil das glatte Gegenteil der verkündeten Erkenntnisse mittel- bis langfristig eventuell eher zutrifft als die spontan hellauf begeisterten oder wahlweise pessimistisch-dystopischen Befunde und Prognosen.

Wovon ist die Sprache? Erstens: Bitcoin und Digitalwährungen generell. Zweitens: Alexa & Co., die allzeit plauderwilligen und ständig lauschenden Lautsprecher im eigenen Wohnzimmer. Ich persönlich spiele ja weder mit dem einen noch dem anderen herum. Sprich: Ich besitze weder Bitcoins oder sonst irgendeine virtuelle Währung - noch habe ich Alexa oder eines ihrer mittlerweile zahlreichen Geschwisterchen daheim zu Gast. Aber immer der Reihe nach.


Das Prinzip der Blockchain - der konstruktiven Grundlage für jegliche Form von virtuellem Geld - hierorts zu erklären, reicht der Platz nicht. Man sollte sich damit aber intensiv auseinandersetzen, um die Sprengkraft der Idee und die Möglichkeiten der Durchdringung unseres bis dato noch weitgehend analogen Alltags abschätzen zu können. Blindes Vertrauen, ja pure Gier in das digitale Gold ("Bitcoin-Kurs erreicht 13.000 Dollar!") könnten sich rasch als fatal erweisen. Und zwar nicht, weil die Sache an sich anrüchig wäre - eventuell mag als Indikator dienen, dass Börsen und Banken beginnen, Bitcoin & Co. als Terminkontrakte zu handeln. Oder sollte man eher sagen: ungeniert mitzuspekulieren und die Seifenblasenmaschinen umzurüsten? Es soll ja nicht wenige Menschen geben, die längst jegliches Vertrauen in die Wall Street und ihre Statthalter im globalen Finanzbusiness verloren haben. Es ist jedenfalls - je nach Geschmack - nicht unlustig oder auch äußerst enervierend, die Stellungnahmen namhafter Finanzexperten zum Thema No. 1 zu verfolgen. Sie schwanken zwischen Extremen. "Das sind keine seriösen Währungen, sondern reine Fantasiegebilde", so eine Meinung. "Sie können die Zukunft nicht aufhalten", so ihr radikaler Widerpart. Yin-Yang 2.0?

Meine Prognose lautet (und, ja, ich lehne mich damit weit aus dem Fenster): Die Blockchain hat eindeutig zu viel Potenzial, um sie wieder in der Schublade verschwinden zu lassen. Bitcoin als ihre bislang populärste Ausprägung wird aber fallengelassen werden wie eine heiße Kartoffel, sobald "seriösere" (sprich: unter der strikten Kontrolle von Zentralbanken und den Big Players des Finanzmarktes befindliche) Alternativen auftauchen. Es gibt sie längst - aber noch starren alle wie Karnickel auf das Anarcho-Kryptonit. Eventuell wird man sich das eine oder andere File in seiner digitalen Brieftasche und den Kurswert im Dezember 2017 bald einrahmen lassen wie die legendäre Rapid-Aktie.

Und damit zu persönlichen Sprachassistenten. Alexa, könntest Du bitte die nächste Kolumne schreiben? Oder rasch ein, zwei Bitcoins schürfen? Nein? Darüber sprechen wir nächste Woche weiter.




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Dokument erstellt am 2017-12-06 15:44:05



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