• vom 04.01.2018, 16:10 Uhr

Glossen


Bleigießverbot

Dann opfern wir halt einfach ein Tier




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Das ungesunde Bleigießen, das die EU uns abgewöhnen will, wird keinem abgehen. Es gibt so viele lustige Alternativen. Die Eingeweideschau . . .



Oh, wie oft mir die EU mittlerweile schon das Leben gerettet hat. Ich hab gar nimmer mitgezählt. Spätestens nach ihrer Verordnung zur Aufhellung von Frittiergut hätte der Alexander Van der Bellen dem Ratspräsidenten dieses Vereins das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verleihen müssen. (Den Groß-Stern.) Oder dem Kommissionspräsidenten? Ach, der hat sowieso das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande, der Jean-Claude Juncker. Sollte reichen, oder? Obwohl: He, die Pommes-frites-Bleiche (nicht zu verwechseln mit der Korallenbleiche) kann den Krebs bereits heilen, bevor man überhaupt erkrankt ist.

Ohne die EU wäre ich jedenfalls längst tot. Und dabei hab ich damals gegen den Beitritt gestimmt. Tja, ich hab eben nicht in die Zukunft sehen können. Beim Blei-Orakel zu Silvester 1993, ein halbes Jahr vor der Volksabstimmung, ist bei mir halt kein Elefant rausgekommen ("Augen zu und durch" - äh, bedeutet der nicht: "ich bin der/die Größte"?). Und jetzt werden wir vor genau diesem gefährlichen Brauch auch noch gerettet. Vor Volksabstimmungen? Nein. Bleigießen darf man nicht mehr. Ab April. (Wer macht denn so was im April? Es ab dem 31. Dezember zu verbieten, wäre früh genug gewesen.) Dann gelten also neue Blei-Grenzwerte.


Die Dämpfe sind nämlich toxisch. Und Apnoe-Bleigießen (Luft anhalten) ist ja eher was für Personen mit Wagnersängerlungen. Die Passivbleigießer müssen natürlich ebenfalls geschützt werden. Oder womöglich kriegt einer das Gift in den Mund. Wenn er sich gleich mit dem benutzten Löffel ("Komisch. Warum is der jetz ned g’schmolzen? Is doch a aus Metall") das Mitternachtsgulasch reinschaufelt. (Kann der nicht lesen, was auf dem siebenteiligen Bleigießset steht? "Nicht zum Verzehr geeignet!") Weil Blei macht angeblich blöd. Und dass er das auch noch wird, das könnte sich der Gulaschheini echt nimmer leisten. Außerdem gibt’s eh ganz tolle Alternativen. Horoskop lesen. Oder die früher so beliebte Eingeweideschau. (Flüstern Sie dem Opfertier aber unbedingt vorher eine Frage ins Ohr. Sonst können Sie später in den Innereien ewig wühlen und nach einer Antwort suchen.)

Dieses Blei braucht also wirklich keiner. Nicht einmal der Bleistift. Und trotzdem schreibt er. Sollte der EU allerdings irgendwann einfallen (und das wird es sicher - noch vor dem Aschermittwoch), dass bei den Faschingskrapfen nicht mehr oben drübergezuckert werden darf, weil das Risiko, eine Staubzuckerlunge zu kriegen, einfach zu groß ist, initiiere ich ein Öxit-Volksbegehren, gell?

Okay, ein Böller ist vielleicht schlimmer, als ohne Gummihandschuhe ein rohes Stückl Blei aus dem Wasser zu holen. Der macht einen zwar nicht zum kompletten Analphabeten, aber zum Linkshänder. (Wenn man ihn in der rechten Hand hält. Und drauf vergisst, weil das Handy läutet.) Und wenn man nach dem Silvesterfeuerwerk einmal einatmet, kann man den Feinstaub, den man dabei inhaliert, das restliche Jahr über aushusten. Na und? Die EU kann uns nicht alles verbieten. Ein bissl was müssen die Mitgliedstaaten schon selber noch tun. Ist schließlich ihre Bevölkerung. Da kann die neue Regierung endlich zeigen, wie sehr ihr die eigenen Leute am Herzen liegen. Und eine Ausgangssperre in der Silvesternacht verhängen. Mit der Empfehlung, die Fenster bitte geschlossen zu halten.




Schlagwörter

Bleigießverbot, EU, Silvester

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Dokument erstellt am 2018-01-04 16:14:06



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