• vom 16.10.2007, 17:21 Uhr

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Sedlaczek am Mittwoch

Mahlzeit heißt auch Guten Tag



  • Mahlzeit bemerkenswert. Sind wird doch ein Volk vonPhäaken?
  • gegrüßt - das ist durchaus bemerkenswert. Sind wird doch ein Volk vonPhäaken?
  • Vor einiger Zeit habe ich mich an dieser Stelle mit dem Grüßen befasst. Leider habe ich einen wichtigen Gruß vergessen, weshalb ich einen Nachtrag verfassen muss. Ich folge damit dem Hinweis einer Leserin, die in ihrem Posting nur den Vornamen preisgegeben hat: Viola. Wörtlich schreibt sie: " Mahlzeit als eine Grußformel beim Essengehen - das gibt es nur bei uns."

Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung". Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Es ist in der Tat so. Wenn man um die Mittagszeit in einem Großbetrieb in den Aufzug steigt, dann schallt einem von allen Seiten ein freundliches Mahlzeit entgegen.

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Es ist dabei gar nicht relevant, ob man sich auf dem Weg zum Mittagstisch befindet oder nicht. Auch wer nachweislich zum nächsten Termin im Haus hastet, kann mit Mahlzeit gegrüßt werden.

Die Essenszeit wird dabei recht großzügig ausgelegt. Ich habe den Eindruck, dass es um den Zeitraum von etwa 10.30 Uhr bis etwa 14.30 Uhr geht. Um 10.30 Uhr könnte man sein Büro verlassen, um im Kaffeehaus bei einem zweiten Frühstück einen Geschäftspartner zu treffen. Um 14.30 Uhr könnte man von einem Geschäftsessen ins Büro zurückkehren. An einem acht- oder neunstündigen Arbeitstag kann also grob gesprochen die Hälfte der Zeit mit Mahlzeit gegrüßt werden - ganz ohne ironische Untertöne. Auch jene Kollegen, die zu Mittag nur ein Birchermüsli essen, werden so gegrüßt.

Ursprünglich war Mahlzeit "die festgesetzte Zeit eines Gastmahls", wie wir im Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm nachlesen können. Der Ausdruck war vor allem in der Wendung zur Mahlzeit laden in Gebrauch. Dann hat man die regelmäßige Zeit des Essens so bezeichnet: Morgenmahlzeit , Mittagsmahlzeit , Abendmahlzeit , wobei nicht wie beim Mahl an eine festliche Bewirtung oder eine Schmauserei gedacht war. Zuletzt hat Gesegnete Mahlzeit dazu gedient, um Gott für die Speisen zu danken.

Die Bedeutung des Segens ist heute weitgehend verloren gegangen. Wer heute Mahlzeit zu Beginn eines Essens sagt, der meint Guten Appetit . Wer den Tisch verlässt, verabschiedet sich mit Mahlzeit von seinen Tischgenossen. In den Gängen der Büros und auf den Flanierstraßen der Wiener Innenstadt heißt Mahlzeit soviel wie Guten Tag .

Sind wir doch ein Volk von Phäaken, wie Josef Weinheber gemeint hat? Jedenfalls haben sich die Essgewohnheiten seit Erscheinen des berühmten Gedichts "Der Phäake" gravierend geändert.

Wer isst schon zum Gabelfrühstück ein Tellerfleisch und trinkt dazu ein Krügel Bier? Wer schiebt zwischen Frühstück und Mittagessen ein Gulasch oder ein saftiges Beinfleisch ein? Andere Kleinigkeiten für Zwischendurch sind aber heute recht beliebt. In jedem größeren Supermarkt, an jeder größeren Tankstelle werden raffiniert gefüllte Weckerln angeboten, daneben warten den ganzen Tag über verführerische Tramezzini auf ihre Kunden.

Einen interessanten Aspekt hat mein Freund Wolfgang Mayr ins Treffen geführt. Er hat in einem Buch gelesen, dass sich Mahlzeit als Mittagsgruß in der Zeit des Nationalsozialismus stark ausgebreitet hat. Man habe mittags mit Mahlzeit gegrüßt, um das vorgeschriebene Heil Hitler zu vermeiden. Wir waren uns beide nicht sicher: Ist das Legende oder historische Wahrheit?

So wie Servus und Grüß Gott kann auch Mahlzeit ironisch verwendet werden. Gern zitiert wird eine Stelle aus "Wallensteins Lager" von Friedrich Schiller: "Und diese achttausend Pferd, / die man nach Flandern jetzt begehrt, / sind von der Armee nur der kleine Finger. / Lässt man sie ziehen: Ihr tröstet euch, / wir seien um ein Fünftel nur geringer? / Prost Mahlzeit ! Da fällt das Ganze gleich."

Ihre Meinung an: www.wienerzeitung.at/sedlaczek



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2007-10-16 17:21:37
Letzte Änderung am 2007-10-16 17:21:00


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