• vom 03.02.2018, 11:00 Uhr

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Auto-Auto mit Smiley




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Von Irene Prugger


    Irene Prugger, geboren 1959 in Hall, lebt als Autorin und freie Journalistin in Mils in Tirol.
 

    Irene Prugger, geboren 1959 in Hall, lebt als Autorin und freie Journalistin in Mils in Tirol.

     

    Irene Prugger, geboren 1959 in Hall, lebt als Autorin und freie Journalistin in Mils in Tirol.

     


    Als ich unlängst meinen Neffen beim Büffeln für die Führerscheinprüfung sah, kam mir in den Sinn, dass er einer der letzten seiner Art sein könnte. Jedenfalls prophezeien das Mario Herger und andere Buchautoren, die behaupten, "Der letzte Führerscheinneuling" sei bereits geboren, weil in naher Zukunft auch im Alltag die Zeit der selbstfahrenden Autos anbrechen werde.

    Meine bisher einzige Erfahrung mit einem selbstfahrenden Auto machte ich, als sich auf einem leicht abschüssigen Parkplatz die Bremse bei einem Wagen löste und dieser langsam, aber bedenklich auf mich zurollte. Ich konnte rechtzeitig zur Seite springen und der Wagen wurde zum Glück von einer kleinen Böschung aufgehalten. Solch menschliches Versagen - der Fahrer hatte vergessen, die Handbremse anzuziehen - wird mit selbstfahrenden bzw. selbstlenkenden Autos nicht mehr passieren. Allerdings läuft es auf dasselbe hinaus, ob man wegen eines technischen oder menschlichen Fehlers überrollt wird.


    Natürlich bringen selbstfahrende Autosysteme, abgesehen vom vorausgesagten zügigeren Verkehrsfluss und der Entlastung der Lenker, viele Vorteile. Die strengen Smileys bei der Geschwindigkeitsmessung, die griesgrämig die Mundwinkel nach unten ziehen, sobald man die Beschränkung bloß um ein oder zwei km/h überschreitet, werden täglich blöd grinsen. Denn wenn man nicht den Modus "Sport" oder "Rennen" eingestellt hat, wird sich das Auto-Auto wohl an die Verkehrsvorschriften halten.

    Auch die Netiquette im Straßennetz wird dann wieder vorbildlich gepflegt und etwa die Geste des Vogelzeigens völlig ins Leere gehen. Parkplatzsuche? Kein Pro-blem! Wer in der City zum Kaffee eingeladen ist, schickt das Auto inzwischen zwar nicht umwelt-, dafür aber nervenschonend dreißigmal alleine um den Häuserblock. Doch vielleicht machen das dann alle und die Parkplätze sind frei und die Straßen verstopft.

    Mein Neffe wird vermutlich nicht der letzte Führerscheinneuling sein, aber bei seinem kleinen Bruder - er ist jetzt zehn - weiß man es nicht so genau. Wenn er volljährig ist, wird vielleicht schon eine Ära zu Ende gegangen sein: die Ära der sich überschätzenden Autofahrer. 95 Prozent der österreichischen Autofahrerinnen und Autofahrer sind laut einer Studie nämlich der Meinung, sie würden überdurchschnittlich gut fahren. Offensichtlich alles Niki Laudas, die jedes Rennen gewännen, würden sie nicht von Staus und Geschwindigkeitsbeschränkungen eingebremst.

    Ich selbst bin beruflich viel mit dem Auto unterwegs und gehöre wohl ebenso zu den 95 Prozent mit solider subjektiver Fehleinschätzung. Deshalb sehne ich die Neuerung im Verkehrswesen nicht unbedingt herbei und würde eher das Aufrüsten von Gefährten bevorzugen, mit denen es bisher ein bisschen schwieriger ist, die Kurve zu kriegen: Die selbstlenkende Rodel zum Beispiel!




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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-02-01 16:53:10
    Letzte ─nderung am 2018-02-01 17:00:05



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