• vom 23.03.2012, 18:46 Uhr

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Christian Ortner am Samstag

Der naive Glaube an gerechte Gehälter


Von Christian Ortner

  • Irre Managergagen sorgen für Empörung. Doch vom Arbeitsmarkt Produktion von "Gerechtigkeit" zu erwarten, heißt seine Natur nicht zu verstehen.

Christian Ortner.

Christian Ortner. Christian Ortner.

Als diese Woche öffentlich geworden ist, dass VW-Chef Martin Winterkorn 2011 auf ein doch eher prächtiges Gehalt von 17,4 Millionen Euro kommt, brach jener übliche Sturm der Empörung los, der hierzulande immer dann kurz aufbraust, wenn etwa Erste-Chef Andreas Treichls aktuelle Gage publik wird (die übrigens im Vergleich zu Winterkorns Bezug geradezu wie eine Art Grundsicherung im internationalen CEO-Milieu wirkt).

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Dass darob SPD ("schadet dem sozialen Frieden") und Gewerkschaften ("maßlos") pflichtgemäß ein wenig herumtobten, erstaunt nicht weiter. Origineller war schon, dass sich auch eine Vereinigung mittelständischer Unternehmer empörte und eine gesetzliche Deckelung von Gehältern bei 5 Millionen forderte, während die "Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz" großzügig 10 Millionen als Obergrenze anbot. Was an 5 oder 10 Millionen vertretbar, an 5,5 oder 10,5 Millionen hingegen unvertretbar sein soll, verschwiegen die Freunde der Planwirtschaft aus dem Lager der Unternehmer und Wertpapierbesitzer leider.

Nun kann man einen Jahresbezug von 17 Millionen Euro ja durchaus ungerecht oder gar anstößig finden. Nur: Löhne und Gehälter werden auf keiner Ebene, vom Portier bis zum Vorstandschef, nach dem Kriterium "Gerechtigkeit" vereinbart, sondern letztlich immer nach dem Kriterium ihrer Durchsetzbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber; sei es für das Kollektiv durch die Gewerkschaften oder individuell in der Chefetage - Arbeitsmarkt eben.

Von diesem Markt die Produktion von "Gerechtigkeit" zu erwarten, ist naiv. Als nicht wirklich gerecht kann ja auch durchaus empfunden werden, dass der Jahresbonus jedes VW-Arbeiters in Deutschland mit 8000 Euro fast dem Halbjahresgehalt einer jungen Kindergärtnerin entspricht; dass ein griechischer Bahnangestellter im Durchschnitt 65.000 im Jahr verdient und damit mehr als viele deutsche Uni-Professoren - oder dass ein Profi-Fußballer oder Fernsehentertainer in einer Woche mehr verdienen kann als eine Krankenschwester auf der Intensivstation in einem Jahr. All das hat nichts mit "Gerechtigkeit" zu tun, sondern spiegelt lediglich die Fähigkeit unterschiedlicher Marktteilnehmer wider, den Preis für die von ihnen angebotene Arbeit festzusetzen.

Man mag das als unbefriedigend empfinden, aber blöderweise ist bisher keine einzige andere auch nur halbwegs funktionierende Methode gefunden worden, die Festlegung von Arbeitslohn besser zu organisieren. Versuche, vermeintlich gerechte Löhne und Gehälter von staatlichen Planungs-Behörden festlegen zu lassen, waren ja bekanntlich in der Vergangenheit von mäßig überschaubarem Erfolg gekrönt.

Deshalb ist auch die Behauptung, die staatliche Festlegung von Höchstbezügen für Manager sei ein "Beitrag zum sozialen Frieden" (SPD), eine eher hoffnungsbasierte Spekulation. Sicher ist hingegen, wer finanzieller Hauptprofiteur einer derartigen Zwangsmaßnahme wäre: die Aktionäre, deren Profit sich entsprechend erhöhte. Hat irgendwie Charme, dass sich SPD und Gewerkschafter dafür in Schlacht werfen, dass der VW-Miteigentümer und Multimilliardär Ferdinand Piëch noch reicher wird.

ortner@wienerzeitung.at




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Dokument erstellt am 2012-03-23 18:53:05


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