
Nun gibt es von dieser Krankenhausarznei für Emotionsverstopfung zwar angeblich auch heulfreie Episoden, quasi Trockenfolgen. Generell aber dürfte dann doch die folgende These halten: "Greys Anatomy", das ist eine Art Tränen-Porno. Hier heulen halt die Darsteller, die Zuschauer sollens auch. Und weil die Triebabfuhr King ist, müssen die Dialoge dazwischen nicht unbedingt Rilke sein. Hauptsache Heulen. Egal warum. Also zappelt dann etwa ein kapitaler Fisch am Haken von Cristina Yang - und doch fließen gleich Tränen, dass der See überzulaufen droht. Weil Yang gekündigt hat? Weil sie ein Trauma, das alle Ärzte belastet (dramaturgischer Freibrief für alle, mehr oder minder spontan loszuheulen), noch nicht verwunden hat? Wobei: Überragend in der Disziplin Gefühlsseligkeit durch Vorspiegelung von Tiefgründigkeit ist dann doch noch die Titelheldin Meredith Grey in ihrem Schlusswort: Sentenzen vom Kaliber "Wasser ist nass", Musik der Sorte Selbstmitleids-Stadionrock.
Stimmt zwar: Jedem zweckrationalen Rädchen der Arbeitswelt sein bisschen Gefühls-TV. Aber muss ORFeins denn gar so heftig die Tränendrüse melken? Wobei: Wenn direkt nach "Greys Anatomy" die (nicht minder gefühlspralle) "Private Practice" beginnt, dann heul ich eines Tages auch - aus Verzweiflung.
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