• vom 11.04.2012, 16:59 Uhr

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Update: 11.04.2012, 17:14 Uhr
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Jetzt sind Journalistenprivilegien an der Reihe


Von Engelbert Washietl

  • Der ÖBB gelingt, was dem U-Ausschuss niemand mehr zutraut. Sie streicht merkwürdige Vergünstigungen und beseitigt damit eine Grauzone.

Journalisten, die so gern Missstände aller Art aufzeigen, müssen den Scheinwerfer in die eigene Branche richten. Sie ist nicht korrupt, aber der freie Markt ist so wie überall erfinderisch, wenn eine Zielgruppe mit Schnäppchenangeboten gelockt werden kann.

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Bei der ÖBB war und ist es noch bis Ende Juni so, dass ausgewiesenen Journalisten die Vorteilscard zum halben Preis gewährt wird, wofür die Inhaber ohne Aufzahlung erster Klassen fahren dürfen.

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten". Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Das ist für sie praktisch, wenn sie sich auf ein Interview vorbereiten, oder wenn sie das Ergebnis bei der Rückfahrt in den Laptop hämmern. Gegenleistung ist nicht erkennbar. Ein privater Vorteil kann auch entstehen - kein Schaffner kontrolliert, ob jemand im Zug arbeitet oder in den Urlaub fährt.

Warum die ÖBB das einführte, weiß niemand mehr, warum sie es abstellt, sagt Vorstandschef Christian Kern persönlich: "Nach der Überprüfung der Vorteilscard Presse durch unsere Compliance Abteilung sind unsere Experten zum Schluss gekommen, dass dieses Produkt nicht den strengen Regeln unseres Verhaltenskodex entspricht und als Vorteilsgewährung für eine einzelne Berufsgruppe zu bewerten ist." Arbeitende Journalisten können übrigens laut Kollektivvertrag Bahn-Dienstreisen in der ersten Klasse betrieblich sowieso abrechnen. Die restriktive ÖBB-Politik trifft also eher die Arbeitgeber und nicht die Vorteilscard-Besitzer.

Allein das zeigt, wie verwoben die Geschichte ist. Das große Gemurks entsteht durch den Wettlauf vieler ambitionierter Personen um einen Presseausweis, der angeblich Vorteile und Rabatte regnen lässt. Der Bewerb wird angefeuert von dubiosen Vereinen, die die Vorteilsgewährung zur obersten Priorität erheben und potenziellen Mitgliedern mit Rabattlisten winken - für Flüge, Mietwagen und asiatische Restaurants. Die Folge ist unausbleiblich - Schnäppchenjäger unterwandern und diskreditieren eine Berufswelt. Kaum fiel bei Vorbereitung dieses Beitrags im Mailverkehr via Google das Stichwort Journalistenprivilegien, stand wie von Geisterhand oben in der Werbezeile: "Presseausweis, PKW-Schild & Rabatte."

Mit einem Fantasiewappen wird ein internationaler Presseausweis um 127 angeboten. Die findigen Anbieter kassieren auf jeden Fall und senken die Beitrittsschwelle: "Ich bin journalistisch tätig und bestätige dies mit JA" muss man bloß ankreuzen.

In Deutschland, der Schweiz und in Österreich wird neuerdings Wildwuchs bekämpft, aber auszurotten ist er nur gemeinsam mit rabattgewährenden Unternehmen.

Die Handy-Betreiber geben aber nicht nur Journalisten Tarifrabatte, sondern kämpfen auf Teufel komm raus um Neukunden, um ihre Stellung auf dem Markt zu festigen. Und sie werden anderen Unternehmen auch in Zukunft Großrabatte gewähren, wogegen niemand etwas einwenden kann.

Angesichts dieser Lage ist allen, denen ein Presseausweis rabattheischend unter die Nase gehalten wird, zu empfehlen, dem ÖBB-Beispiel zu folgen und nein zu sagen. So etwas wirkt am besten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-11 17:05:05
Letzte Änderung am 2012-04-11 17:14:17


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