
Über Weitblick und Kaltschnäuzigkeit der Entscheidung, den Formel-1-Grand Prix in Bahrain trotz des dortigen Aufstandes durchzuziehen, ist - auch in dieser Zeitung - zu Recht bereits viel geschrieben worden. Nun ist die Entscheidung gefallen, und der Formel-1-Tross ist mitten in der Krisenregion angelangt. Nun ist natürlich die gute Frage: Wie geht man mit so einer journalistischen, aber auch sportlichen Extremsituation um? Wohl nicht wie Ö3, wo Freitagmorgen ein fast atemloser Sportreporter seine offenbar ersten Schritte in Sachen Krisenberichterstattung tun durfte und schilderte: "Ich habe bei der Anreise zwei Panzer und 30 Polizeiautos gesehen!" Das freilich ist wohl das, was man in den Alpen Halbschuhtourismus nennen würde. Nur halt auf einer anderen Ebene.
Die grundsätzliche Frage ist zudem, ob unter diesen Umständen, nämlich mitten in einem Volksaufstand, bei dem Todesopfer zu beklagen sind und Gewalt und Repression an der Tagesordnung stehen, eine reguläre Sport-Berichterstattung überhaupt sinnvoll und wenn ja statthaft ist. Ist das Herunterbeten von Rennergebnissen und sportliche Details von der Rennstrecke angesichts der Tatsache, unter welchem Level an Repression diese zustande kamen, nicht purer Zynismus? Die Ruhe, die sich die Reporter zur Ausübung ihrer legitimen Tätigkeit wünschen, ist eine gespenstische. Jeder Bericht ohne Hinweis auf diese Umstände spielt nur denen in die Hände, die Gewalt anwenden, um diese Ruhe herzustellen.
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