• vom 02.05.2012, 16:42 Uhr

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Update: 02.05.2012, 17:03 Uhr
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Moralkodex taucht Markterfolg in besseres Licht


Von Engelbert Washietl

  • Lässt sich "nachhaltig" mit "lammfromm" übersetzen? Unter Raiffeisens Giebelkreuz lautet das Ziel, nie wieder schlecht aufzufallen.

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten". Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Die Welt ist voller Moralwächter. Die USA gehören dazu, vor allem wenn es um unangenehme Konkurrenten geht. Die OMV bekommt das zu spüren, sobald sie sich geschäftlich mit Iran einlässt. In den Medien finden Vorwürfe gegen Unternehmen, die in Asien oder Afrika angeblich durch Ausbeutung Profite machen, allemal einen prominenten Platz, egal ob es um Ikea geht oder so wie jetzt gerade um die amerikanischen Spitzenunternehmen Apple und Walmart. Großen Konzernen wie Siemens sitzt nach der Aufdeckung systematischer Schmiergeldpolitik 2006 bis heute der Schreck in den Knochen.

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Die strikte Einhaltung eines "Code of Conduct" ist zum Standard globaler Unternehmenspolitik geworden - wenigstens nach außen. Ein großer Skandal kann eine Firma mehr kosten, als sie durch unlautere Geschäftsmethoden gewinnt.

"Unsere Stakeholder erwarten heute nicht nur, dass wir uns auf dem Markt bewegen, sondern verlangen auch, dass wir unsere Entscheidungen begründen", sagt Gregor Bitschnau, Pressesprecher der Raiffeisenzentralbank RZB, die in Osteuropa nach wie vor groß unterwegs ist. Das gelte für die Bankengruppe genauso wie für die vielen Raiffeisenunternehmen, weshalb auf allen Ebenen Bewusstseinsbildung gefördert werde.

Diese konkretisiert sich seit 1. März in der Abteilung für "Nachhaltigkeitsmanagement", in der ältere Versuche zusammenlaufen, sich auf Corporate Responsibility und Klimaschutz zu besinnen. "Wir sind die Drehscheibe zwischen Österreich und Zentral- und Osteuropa und müssen uns um Glaubwürdigkeit bemühen."

War das immer so? 2007 machten die USA österreichische Regierungsstellen diskret darauf aufmerksam, dass die Treuhandschaft der Raiffeisen Investment AG (RIAG) bei einer ukrainischen Gashandelsgesellschaft in die Nähe der Geldwäscherorganisation Simon Mogilevichs gerate. Das ist Vergangenheit, Raiffeisen hat dies sowieso immer bestritten. Aber in Zukunft will man einen derartigen Verdacht gar nicht erst aufkommen lassen.

Deshalb die Konzentration der Arbeit an einer Stelle, die von Andrea Weber geführt wird. Sie hat ihren Berufsweg bei Raiffeisen Leasing gemacht, leitet jetzt das "Nachhaltigkeitsmanagement" und ist Geschäftsführerin der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative. "Der Markt und die Geschäftsführer verlangen diesen Schwerpunkt", sagt sie. "Und die Zeit verlangt ihn auch, man muss sich nur umschauen."

Alle RZB-Mitarbeiter werden auf den Verhaltenskodex CoC eingeschworen. "Das Streben nach Gewinn rechtfertigt keine Verstöße gegen das Gesetz und den RZB Konzern CoC", heißt es da. Wer Verstöße wahrnimmt, hat Berichtspflicht. Die Sanktionen reichen bis zum Jobverlust. Bestechung, Korruption, Geldwäsche, Marktmanipulation, Waffenhandel und Verstöße gegen Menschenrechte und Umweltschutz sind mit Tabus belegt.

Nützt es etwas? Jedenfalls hat das Risiko, durch Tabubrüche persönliches und unternehmerisches Unheil heraufzubeschwören, bei allen internationalen Unternehmen enorm zugenommen.




Schlagwörter

Medien, Washietl, Rückantwort

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-02 16:47:05
Letzte Änderung am 2012-05-02 17:03:38


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