• vom 09.05.2012, 16:05 Uhr

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Update: 09.05.2012, 16:54 Uhr
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Brief aus den USA

Libysche Raketen auf Abwegen


Von David Ignatius

  • Zwei frühere Mitarbeiter der CIA versuchten vergeblich, US-Geheimdienste vor Fliegerabwehr-Raketen in den Händen der Al-Kaida zu warnen.

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post". Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Wann immer die CIA in Übersee einen neuen Anschlagsplan aufdeckt, wie das Al-Kaida-Vorhaben, zivile Flugzeuge mit hoch entwickelten, schwer aufspürbaren Sprengstoffen zur Explosion zu bringen, atmen die Menschen auf. Es ist jedoch ein Krieg an vielen Fronten, und der Angriff, der einen trifft, ist der, den man nicht kommen sieht.

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Seit einigen Monaten bekomme ich vertrauliche Warnungen über eine andere Bedrohung für Verkehrsflugzeuge zu hören, nämlich die Verbreitung von Fliegerabwehr-Raketen aus Libyen. Ein Beamter des US-Außenministeriums sagte im Februar, dass Muammar Gaddafi 20.000 dieser Waffen gekauft hatte und nur 5000 von ihnen durch ein mit 40 Millionen Dollar dotiertes US-Programm, verstreute Raketen aufzukaufen, sichergestellt wurden.

Und nun zum schaurigen Teil: Zwei frühere Mitarbeiter der CIA-Terrorabwehr sagten mir vorige Woche, dass Fachleute kürzlich 800 dieser sogenannten Manpads (Man-portable air-defense systems) für einen möglichen Einsatz gegen Verkehrsflugzeuge auf dem Weg nach Niger, Tschad und vielleicht Nigeria überarbeitet hätten. Einige für die afrikanischen Jihadisten von Boko Haram, die oft als Verbündete der Al-Kaida eingestuft werden.

Seit acht Monaten versuchen die beiden, US-Geheimdienste zu warnen, ohne Erfolg. Hier eine Zusammenfassung der Nachrichten, die ich gesehen habe: Am 9. September 2011, als das Gaddafi-Regime zusammenbrach, warnte ein Ex-CIA-Mitarbeiter einen FBI-Kontaktmann, libysche Raketen seien auf dem Weg in die Region Agadez in Niger, zu Stammensangehörigen der Tuareg, die Verbindungen zur Al-Kaida haben sollen. Er erklärte dem FBI-Agenten, dass eine arabische Quelle "sagte, dass SA-7s und SA-24s (zwei in Russland gefertigte Waffen, Anm.) bereits aus Libyen in Agadez angekommen und in den Händen von der Al-Kaida angeschlossenen Tuareg-Gruppen sind". Er bekam keine Antwort. "Ich nehme an, NE (die Nahost-Einheit der CIA, Anm.) hat das durch ihre übliche bürokratische Kriegsführung abgeschmettert", vermutete er.

Der frühere CIA-Mitarbeiter gab die Hoffnung nicht auf, der Geheimdienst würde darauf eingehen, also übermittelte er Name und Telefonnummer des Verwandten eines früheren libyschen Geheimdienstoffiziers, der angeblich geholfen hatte, die Missiles aus dem Land zu bringen. Am 15. September sandte er dem FBI-Kontaktmann auch Telefonnummern der arabischen Quelle in Niger. "Die Missiles sind in den Händen der Al-Kaida und werden verteilt. Ich würde wirklich gern wissen, wer in der Agentur das Hindernis war und warum", schrieb der frustrierte frühere CIA-Mitarbeiter am 28. September einem Militärkontaktmann.

Das Weiße Haus hat im Herbst eine agenturübergreifende Arbeitsgruppe zum Aufspüren der Raketen eingesetzt. Über die Einzelheiten dieses Falls und den E-Mail-Verkehr wüssten sie nichts, antworteten mir hochrangige US-Regierungsbeamte, als ich sie um eine Stellungnahme bat. Aber sie würden die libyschen Missiles ebenfalls als ernstes Problem einstufen.

Übersetzung: Redaktion




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 16:11:05
Letzte Änderung am 2012-05-09 16:54:52


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