• vom 18.05.2012, 18:09 Uhr

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Update: 22.05.2012, 13:13 Uhr
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Christian Ortner am Samstag

Von Zählern und Zahlern


Von Christian Ortner

  • Am Strommarkt zeigt sich, wohin staatlicher Öko-Dirigismus führt: zu hohen Preisen und noch mehr Dirigismus.

Christian Ortner.

Christian Ortner. Christian Ortner.

Eines der schlimmsten Übel, unter dem die Bevölkerung der EU seit Jahrzehnten leidet, wird nun endlich beseitigt: jene altmodischen, schwarzen Stromzähler, mit denen seit Menschengedenken unser Stromverbrauch gemessen wird, werden nämlich durch neue High-Tech-Geräte, sogenannte "Smartmeter" ersetzt; in Österreich sogar schon innerhalb einiger weniger Jahre. Man mag sich gar nicht ausdenken welch unsägliches Leid über Europa hereingebrochen wäre, müssten wir noch weiter Strom zählen lassen wie bisher.

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Dass sich der Verbraucher nicht etwa aussuchen darf, ob er sich mit der bisherigen Art der Vermessung auch weiterhin zufrieden geben will oder nicht, überrascht wenig. Die neuen, wesentlich intelligenteren Zähler werden vielmehr von einer EU-Richtlinie erzwungen; die Mehrkosten von konservativ geschätzt 40 Euro pro Gerät wird der Konsument zu tragen.

Das ist zwar keine Katastrophe, beleuchtet aber beispielhaft, wie unsinnige staatliche Interventionen auf nationaler wie auf europäischer Ebene immer neue, immer unsinnigere staatliche Interventionen erzwingen und am Ende Ineffizienz und hohe Kosten die Folge sind.

Denn die per planwirtschaftlicher Ordre de Mufti erzwungenen neuen Zähler sind, entgegen den Beteuerungen der E-Wirtschaft nicht so sehr aus Gründen der Kundenfreundlichkeit notwendig, sondern vor allem, um die immer stärker werdenden Schwankungen des Stromangebots und der Stromnachfrage in Europa einigermaßen ausgleichen zu können. Dazu sind die von den teuren, aber schlauen Zählern bereit gestellten Informationen außerordentlich nützlich. Dass Angebot und Nachfrage nach Strom immer schwerer auszugleichen sind, ist freilich einer anderen staatlichen Intervention zu verdanken: der Subventionen für die Produktion von Solar- und Windenergie. Beide Formen der Energiegewinnung haben den kleinen Nachteil, nicht nur nicht wettbewerbsfähig zu sein, sondern naturgemäß Strom aus Witterungsgründen nur unregelmäßig und oft zu Zeiten schwacher Nachfrage zu erzeugen.

Die bizarre Konsequenz: Um Strom, der nur dank staatlicher Subventionen und oft zur falschen Zeit produziert wird überhaupt einigermaßen sinnvoll nutzen zu können, muss mit einer neuerlichen staatlichen Intervention die Verwendung einer neuen Messtechnologie erzwungen werden. Fehlt eigentlich nur noch, dass in einem nächsten logischen Schritt auch diese Technologie hoch subventioniert wird.

Das Ganze erinnert stark an die Art und Weise, wie Europa seit jeher Landwirtschaft organisiert: als bürokratisch-planwirtschaftlichen Komplex, der auf Kosten der Konsumenten und Steuerzahler regelmäßig am Markt vorbei produziert und enorme Subventionen verschluckt, die vom europäischen Steuerzahler getragen werden müssen. In Deutschland hat der von diesem absurden System verursachte hohe Strompreis bereits dazu geführt, dass hunderttausende Haushalte keinen Strom mehr haben, weil sie ihn sich nicht mehr leisten können. So haben wir uns eine menschenfreundliche Energiewende schon immer vorgestellt.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-18 18:14:07
Letzte Änderung am 2012-05-22 13:13:21


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