• vom 23.05.2012, 15:50 Uhr

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Update: 25.05.2012, 12:48 Uhr
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Der leise Tod des CD-Fachgeschäfts


Von Edwin Baumgartner



Jüngst habe ich mir die "Mozart-Variationen" von Emil Berlanda auf CD angehört. Kein epochales Werk, aber sehr schön. Ich bin froh, dass ich es jetzt kenne. Das verdanke ich einem Wiener CD-Klassikfachgeschäft, dessen vifer und unersetzlicher Geschäftsführer mich in Ahnung meiner Interessen auf die CD hingewiesen hat. Bei den Internet-Händlern wäre ich nie auf Berlanda gekommen. Da ich nicht wusste, dass es ihn gibt, hätte ich zwangsläufig nicht nach ihm gesucht. Die gezielte Beratung fällt da ja weg.

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Das sind die Vorteile des Fachgeschäfts vor Ort: Vorauswahl, gezielte Beratung. Doch bald wird es so nicht mehr sein. Von den nur noch drei CD-Klassikfachhändlern Wiens, Caruso, Gramola und DaCapo, balanciert einer am Abgrund entlang, um halbwegs Umsatz zu machen, rettet man sich in überzogene Sonderpreis-Aktionen. Schuld seien die Internet-Händler, hört man, mit deren Dumping-Preisen könne man nicht mithalten.

Wirklich schuld sind jedoch die Kunden. Stets auf Schnäppchen-Jagd, wie es einem nicht nur TV-Sendungen als lebensnotwendig eintrichtern, informiert man sich im Fachgeschäft, kauft dann aber bei den preisgünstigeren Internet-Händlern. Der einschlägig vorgebildete Fachhändler hat die Arbeit, den Profit macht der ahnungslose Schleuderer.

Das Buchhandlungs-Sterben war der erste große, öffentlich weitgehend unbemerkte Schnitt im Kulturleben. Nun sind die CD-Klassikfachhändler dran. Die einzige Medizin dagegen ist ein Kundenverhalten, bei dem sich das "Schnäppchen" nicht über den Preis, sondern über die Qualität definiert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-23 15:56:02
Letzte Änderung am 2012-05-25 12:48:01


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