• vom 25.05.2012, 13:50 Uhr

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Update: 25.05.2012, 16:52 Uhr
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Christian Ortner am Samstag

Wie man kleine Leute um ihr Erspartes bringt


Von Christian Ortner

  • Der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman fordert 6 bis 7 Prozent Inflation. Das ist ungefähr so sozial wie Kinderarbeit im Uranbergwerk.

Christian Ortner.

Christian Ortner. Christian Ortner.

Paul Krugman ist so etwas wie der Chefideologe und Fackelträger jener politischen und ökonomischen Denkschule, die wenig vom Sparen als Therapie einer Schuldenkrise hält und stattdessen noch mehr Schulden und rasend rotierende Banknotenpressen als Mittel der Wahl präferiert. Bei Politikern und bei Wählern erfreut sich diese Ideologie derzeit aus naheliegenden Gründen großer Beliebtheit; seit dem Wahlsieg des Sozialisten François Hollande in Frankreich ist sie dabei, die intellektuelle Lufthoheit über große Teile Europas zu erringen. Sie gilt, im Gegensatz zum menschenverachtenden kalten Neoliberalismus, als höchst sozial und menschenfreundlich.

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Dass eine derartige Politik zwingend zu höherer Inflation und damit zur teilweisen Entwertung der Sparguthaben führen wird, bestreitet Krugman seriöserweise nicht wirklich; er hält das einfach für vertretbar. Und fordert deshalb von der EZB regelmäßig, ihre "Obsession für die Preisstabilität" endlich aufzugeben. Damit beginge sie zwar einen massiven Rechtsbruch (und ebenso massiven politischen Betrug), aber das scheint für Krugman kein besonders valides Argument zu sein. 3 bis 4 Prozent Inflation hält er für durchaus okay und sogar noch mehr als 4 Prozent in Deutschland.

Das klingt ja noch eher harmlos, ist es aber überhaupt nicht. Denn Deutschland (und damit in der Praxis Österreich) ist nach Krugmans Rezepturen eine Inflation zuzumuten, die "4 Prozent über der in Spanien liegt", wie er im November 2011 in seinem Blog "Conscience of a Liberal" präzise formulierte.

Angesichts der aktuellen spanischen Inflationsrate (knapp über 2 Prozent) würde er also den Staaten der nördlichen Stabilitätszone eine Geldentwertung von 6 bis 7 Prozent verordnen, gleichsam als Belohnung dafür, dass sie in der Vergangenheit zumindest die allerschlimmsten Schuldenexzesse vermieden haben.

Es bleibt des Nobelpreisträgers Geheimnis, wie er derartige hohe einstellige Inflationsraten vom Explodieren abhalten will: Denn wer mit der Inflation flirtete, musste sie in der Vergangenheit stets heiraten.

Vor allem sind so hohe Inflationsraten dem ersten Anschein entgegen ungefähr so sozial wie Kinderarbeit sonntags im Uranbergwerk. Denn bei 7 Prozent Inflation ist nach zehn Jahren nicht einmal mehr die halbe Kaufkraft des heutigen Geldes übrig, den Rest hat die Inflation gefressen.

Krugmans Plan ist daher ein vorzügliches Instrument zur weitgehenden Enteignung kleiner Sparer, die sich durch Konsumverzicht ein bescheidenes Vermögen für den Lebensabend erarbeitet haben.

Wenig bis gar nicht hingegen sind von einer solchen Geldentwertung Reiche und Superreiche betroffen, deren Vermögen ja üblicherweise aus Immobilen, Aktien und direktem Unternehmensbesitz besteht. Derartige Sachwerte aber haben in der Vergangenheit noch immer und überall auch Hyperinflation weitgehend unbeschadet überstanden.

Das heißt logisch zwingend: Was Krugman da vorschlägt, enteignet die kleinen Pensionisten und verschont die wirklich Besitzenden. So haben wir uns eine Ideologie der sozialen Wärme schon immer vorgestellt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-25 13:56:13
Letzte Änderung am 2012-05-25 16:52:58


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