• vom 11.07.2012, 16:09 Uhr

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Update: 11.07.2012, 17:05 Uhr
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Angst vor dem "König Abdullah Zentrum"


Von Engelbert Washietl

  • Beim künftigen Forum für interreligiösen Dialog kommt es nicht auf den Namen und Geldgeber an, sondern was Gesprächspartner daraus machen.

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten". Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Regierungsparteien gaben im Nationalrat grünes Licht für das "König Abdullah Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog", das im November in Wien eröffnet werden soll. Die Idee kommt schräg daher, denn dass ausgerechnet Saudi-Arabien, wo alle Religionen außer dem Islam verfolgt werden, mit Österreich und Spanien zum religiösen Dialog einlädt, könne doch nur einer der übelsten Propagandatricks sein. So lassen die Kritiker bereits von sich hören, manche sehr heftig. Ganz unrecht haben sie nicht. Aber die Vertreter zwölf bedeutender Religionen haben das Gesprächsangebot angenommen. Im Directory Board sind der von der österreichischen Bischofskonferenz nominierte Michael Weninger, Oberrabbiner David Rosen, Anglikaner, Buddhisten, Hinduisten und islamische

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Repräsentanten zu finden.

Eine gelassene Antwort ist am ehesten außerhalb aller akuten Probleme zwischen Islam und Christenheit sowie Orient und Okzident zu finden. Dialog hat in den vergangenen Jahrzehnten nie geschadet, solange die teilnehmende Mehrheit nicht einem Rattenfänger nachgelaufen ist. Auch eine gute österreichische Tradition war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg

geboren worden und ist dank vieler Reformschübe bis heute aktuell: "Alpbach" funktioniert als offenes Forum bester Köpfe.

Das größte Dialogspektakel während des Kalten Krieges war die 1973 in Helsinki eröffnete "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (KSZE). An ihr nahmen die USA, die Sowjetunion und alle europäischen Staaten mit Ausnahme Albaniens teil. Sie ging auf einen vieljährigen Wunsch Moskaus zurück, das heißt, dass der Westen Fallen nicht nur witterte, sondern auch erkannte. Deshalb schickten Nato- und neutrale Staaten ausgezeichnete Spitzendiplomaten ins Gefecht mit den Absolventen kommunistischer Parteischulen. Sie rangen zäh um Zugeständnisse einschließlich größerer Informationsfreiheit und humanitärer

Erleichterungen. Als Sowjetparteichef Leonid Breschnew, US-Präsidenten Gerald Ford und die übrigen Staats- oder Regierungschefs die Schlussakte von Helsinki unterzeichnet hatten, brach zwar nicht die Demokratie aus, aber die wachsende Dissidentenbewegung in Osteuropa fand in der KSZE-Schlussakte eine willkommene Argumentationsbasis. Auch die (west-)deutsche Ostpolitik vor allem des Bundeskanzlers Willy Brandt ist zu erwähnen, die viele Skeptiker auf den Plan rief, aber zur Auflockerung führte, zumal sie schließlich einer ihrer Bekämpfer, der zum Bundeskanzler gewordenen Helmut Kohl nicht in "Verzichtpolitik" münden ließ, sondern zur deutschen Einheit vollendete.

Ein umfassender Dialog der

Religionen in einem von den Saudis finanzierten Forum wird nur dann in einem Desaster enden, wenn Christen, Juden, Buddhisten, Hindus und so weiter naive Hasenfüße aufs Podium schicken. Wenn Saudis einen Religionsdialog finanzieren, sollte man sie aber nicht nur einmal, sondern fortwährend fragen, wie es um die Religionen in Saudi-Arabien und Umgebung steht.




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Dokument erstellt am 2012-07-11 16:14:03
Letzte Änderung am 2012-07-11 17:05:09


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