
Zum wiederholten Mal fragt sich die Fußballwelt, ob Sepp Blatter nun abdanken wird müssen. Doch der Schweizer verfügt über die Wandlungsgabe eines Chamäleons. Das Erstaunliche dabei ist, dass ihm die Wendungen, mit denen er sich aus ausweglos scheinenden Situationen herauslaviert, nicht einmal im Ansatz peinlich sein dürften. Wenn Blatter den Aufdecker gibt, der das System Fifa erneuern will, dann wirkt er dabei sogar erstaunlich glaubwürdig, auch wenn seine Biografie die Aufrichtigkeit dieser Proklamationen eher ausschließt. Denn es war genau dieses System, das Blatter mitgeprägt, mitgetragen hatte und das ihn seit 1998 im Präsidentenamt der Fifa hält.
Blatter ist aber kein Sesselkleber im klassischen Sinn. Keiner, der sich nie bewegt, den nur die Umstände an der Macht halten. Ein wenig schon, doch Blatters Gabe zur Verwandlung ist tatsächlich erstaunlich. Auch in der Schmiergeldaffäre um den Sportvermarkter ISL. Zuerst kehrte er die Malversationen unter den Teppich, doch kaum kletzelt die Öffentlichkeit ein wenig herum, eilt auch schon Blatter herbei, um voller Inbrunst das Lüften des Teppichs zu verlangen.
Dass er als Mitwisser in der ISL-Affäre geoutet wird, würde manch einen Funktionär zum Rücktritt bewegen. Nicht Blatter. Provisionen seien sogar steuerlich absetzbar gewesen, antwortet er, also quasi staatlich begünstigt worden. Wo ist da wirklich ein Problem?, fragt Blatter bass erstaunt. Sollte die Fifa tatsächlich zu einer gut geführten, sauberen Geschäftsgebarung finden, wird Blatter bestimmt ganz überzeugend den erfolgreichen Reformer geben. Vielleicht ist der Fifa-Chef ja auch einfach nur ein verdammt guter Schauspieler.
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