• vom 06.08.2012, 17:44 Uhr

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Update: 08.08.2012, 13:18 Uhr
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Finanzierung aus einer Hand - Dänemark als Vorbild


Von Ernest G. Pichlbauer

  • Der Streit zwischen Kassen und Ländern lässt vermuten, dass die Entscheidungsträger nicht wissen (wollen), wovon sie reden.

Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.

Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.© Foto: Wilke Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.© Foto: Wilke

Unter Finanzierung aus einer Hand versteht die Welt, dass in einer definierten Region alle Leistungen der Prävention, Akutbehandlung, Rehabilitation, Pflege und Palliation/Hospiz aus einer Hand bezahlt werden, damit sie vernünftig aufeinander abgestimmt werden können.

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Aber bei uns dreht sich alles darum, die Finanzströme der niedergelassenen Ärzte und Spitäler, also jene der Krankenkassen und der Länder, virtuell zusammenzuführen. Es geht also nur darum, die Akutbehandlung aus einer Hand zu bezahlen, alles andere ist nicht einmal angedacht.

Schauen wir einmal, wie das die Dänen handhaben.

Vorweg: Die Dänen geben etwa 15 Prozent weniger aus als wir. Ihre gesunde Lebenserwartung liegt trotzdem um etwa sieben Jahre über der unsrigen. Das steuerfinanzierte System garantiert allen 5,4 Millionen Dänen freien Zugang zu allen Leistungen des Systems, von der Prävention über die Pflege - zu der auch Heimhilfen für jene gehören, die mit den Aktivitäten des täglichen Lebens Probleme haben - bis hin zur Palliativversorgung. Man könnte viel über die Infrastruktur schreiben, aber nur soviel: Gibt es in Dänemark pro einer Million Einwohner nicht einmal vier Spitäler, sind es bei uns knapp 22, dafür haben sie um 40 Prozent mehr Hausärzte und ein gut ausgebautes Hausarztmodell - von dem wir eben nur reden.

Organisiert ist das Ganze über 98 kleine Versorgungsregionen, die für alle wohnortnah erbringbaren Leistungen, von der Prävention bis zur Palliativversorgung, zuständig (inklusive Finanzverantwortung) sind. Diese Regionen werden nicht von Experten geführt, sondern, als Ausdruck eines solidarischen Systems, von demokratisch legitimierten Politikern.

Früher waren diese Regionen auch direkt für Spitäler zuständig. Das hat sich nicht bewährt, weil so Spitäler erhalten wurden, die wegen der damit verbundenen Kleinräumigkeit des Einzugsgebiets nicht jene Spezialisierung erreichen konnten, die für eine qualitativ hochwertige Versorgung nötig ist (für uns ein etwas skurriler Gedanke, da es früher 40 statt 20 Spitäler gab, wir haben hierzulande etwa 180!). Deswegen wurden die dezentralen Versorgungsregionen zu fünf Versorgungszonen - samt selbständiger Verwaltung - zusammengefasst, die nun für Planung, Finanzierung und Betrieb der Spitäler zuständig sind. Zwar sind diese Versorgungszonen politisch den Versorgungsregionen unterstellt, Spitäler können aber nun nicht mehr regionalpolitische Bedürfnisse befriedigen. Das hat viel tagespolitischen Sprengstoff genommen.

Also, wie viele Hände finden wir in Dänemark, einem Land, das nach allen Parametern, die wir so messen, wirklich und nicht nur behauptet eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat? Genau! 98 Hände, von denen aber eben jede einzelne dezentral demokratisch legitimiert und in der anvertrauten Versorgungsregion für die Organisation aller benötigten präventiven, diagnostischen, therapeutischen, rehabilitativen, pflegenden oder palliativen Leistungen zuständig und endverantwortlich (auch finanziell) ist.

Das nennt man Finanzierung aus einer Hand!




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-06 17:50:09
Letzte Änderung am 2012-08-08 13:18:11


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