• vom 30.08.2012, 04:00 Uhr

Kommentare

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Rückantwort

Knapp an einer Zeitungsfusion vorbei


Von Engelbert Washietl

  • "Presse" und "Wirtschaftsblatt" rücken zusammen. Hoffentlich haben sie Glück dabei - und Verlagsmanager, die wissen, was Journalismus wert ist.

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten". Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Am 1. September lassen sich Rainer Nowak bei der Tageszeitung "Presse" und Esther Mitterstieler bei der Wirtschaftstageszeitung "Wirtschaftsblatt" erstmals in Chefredakteurssessel fallen. Die gesamte Führungsspitze der zwei Zeitungen ist ausgetauscht worden. Es hat in den vergangenen Wochen heftig gepoltert. Herausgekommen ist eine vertagte Revolution.

Werbung

Das ökonomisch unter Druck geratene "Wirtschaftsblatt" bleibt als eigenständige Tageszeitung bestehen, wird sich aber technisch und auch personell an die "Presse" anlehnen und dadurch Kosten sparen. Die zwei Zeitungsredaktionen sind sowieso schon unter einem Dach in Wiens Hainburger Straße untergebracht.

Über eine Fusion ist ernsthaft diskutiert worden. Interessanter Weise kam ein Vorstoß in diese Richtung von journalistischer Seite. Michael Fleischhacker machte sich für eine weitreichende redaktionelle Kooperation stark, kam damit aber nicht durch. Deshalb ist er als "Presse"-Chefredakteur überraschend ausgeschieden.

Die Vorstandsspitze der Styria Media Group, zu der die zwei Zeitungen gehören, möchte ihre wirtschaftlichen Ziele ohne Änderung der Zeitungsarchitektur erreichen. Dennoch setzt sie aber Doppelgeschäftsführer ein, die für die zwei Zeitungen zugleich zuständig sind.

In den Staaten der Industriewelt sind viele Zeitungen unter Druck geraten, nicht nur wegen der Wirtschaftskrise. Die "Financial Times Deutschland", die im Jahr 2000 mit der für österreichische Verhältnisse unvorstellbaren Investition von 150 Millionen Euro startete, ist bis heute defizitär. Von ihr wird soeben gemeldet, dass die Zeitung dünner werden und Schritt für Schritt von ihrer gedruckten Körperlichkeit weg in die digitale Ära geführt werden soll, gemäß ihrem ehrgeizigen Werbespruch von 2000: "Unseren Nachrichten ist es egal, wie sie den Leser erreichen."

Aber in solchen Konzepten - auch Styria bekennt sich dezidiert zur digitalen Zukunft - steckt viel Unsicherheit. Die Beobachtung, dass die Menschen offenbar weniger Zeitung lesen und das, wenn überhaupt, möglichst kostenlos, beweist noch nicht, dass sie auf Dauer der Kulturform Zeitung entsagen und zur Befriedigung ihrer Neugier nur noch in einen Monitor starren wollen. Dort ist das, was die Zeitung dank ihrer erprobten Kulturtechnik liefert, nur bruchstückhaft zu erleben.

Plötzlich nähert sich ein bloßer Diskussionsstoff, der schon jahrelang von Mund zu Mund geht, der Realität. Die zwei neuen Chefredakteure ziehen Bewährtes weiter und müssen dennoch gefasst darauf sein, dass das nicht genügen wird. Sie sind keine Übergangslösungen, aber Kapitäne für einen Übergang. Und haben überhaupt nur dann eine Chance, ein sicheres Ufer zu erreichen, wenn sie die Gewissheit haben, dass ihrer Verlagsführung noch bewusst ist, dass Zeitungen primär von der journalistischen Leistung leben. Das Geschäftsmodell soll sich budgetmäßig natürlich rechnen. Doch die Leser kaufen Zeitungsinhalte und nicht ein Geschäftsmodell.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-29 16:59:04


Beliebte Inhalte



Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...weiter

Diese Ausländer! Sie können sich einfach nicht in unsere europäische Kultur einfügen, in unsere verfeinerte Lebensart. Davon kann ich ein Lied singen...weiter

Alexander Pereira mag nicht die ausgefeiltesten Programme erstellen, derer sich die Salzburger Festspiele rühmen können - den Ruf als bester...weiter

Es gibt Fragen, die stellen sich nicht oft im Leben. Eine davon ist: Gibt es eine Überdosis Rosa? Die Antwort darauf ist seit Donnerstag offiziell: Ja...weiter

"Ich habe immer gesagt: ,Nimm mir alles, aber nicht den Ball‘", meinte Marko Arnautovic unlängst anlässlich seiner Suspendierung bei Werder...weiter

Der Ausspruch "das geht sich nicht aus" ist universell einsetzbar und trifft auch auf die Koalitionsverhandlungen nach der ÖH-Wahl zu...weiter

Diese Ausländer! Sie können sich einfach nicht in unsere europäische Kultur einfügen, in unsere verfeinerte Lebensart. Davon kann ich ein Lied singen...weiter

  • Während alle über die Grünen jubeln, vollzieht sich die wirkliche Revolution woanders: SPÖ und ÖVP können endlich voneinander lassen - und tun es auch.
  • weiter

Was ist in Europas Fußball los? Das muss man sich zwangsläufig fragen, wenn man sich die jüngsten Ereignisse in Mailand und Paris vor Augen führt...weiter

Alexander Pereira mag nicht die ausgefeiltesten Programme erstellen, derer sich die Salzburger Festspiele rühmen können - den Ruf als bester...weiter



Werbung




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung