
Spätestens seit Pierre Bourdieu wissen wir: Der Mensch inhaliert in der Schule nicht nur Lernstoff. Er lernt da auch soziale Codes. Wobei das nicht immer die besten sind. Siehe eine Schulsprecherwahl vor langer Zeit: Da war eine der Wahlkampfreden zwar irgendwie schon demokratiepädagogisch wertvoll: Immerhin verhieß die Kandidatin eine lückenlose Klopapierversorgung. Ein paar Spitzbuben aber johlten derweil nur: "Ausziehen." Und: "Aaaus-ziehen!"
Nun haben solche Flegeleien ihre Vorbilder. Etliche Arme einer Krake namens Unterhaltungsindustrie leben von Frauen, die trotz anderslautender Berufsbezeichnungen dem Textil spinnefeind sind. Nicht ganz so schlimm, wenn diese Evas nichts anderes beherrschen als Freikörperkultur. Eine Selbstdemütigung aber, wenn sich fähige Künstlerinnen frei zu machen haben. Und diesbezüglich bestreitet Universal Music derzeit ein kleines Festspiel. Sollten die ohnehin zugkräftigen Vokalistinnen Diana Krall und Melody Gardot nicht von Hitzewallungen heimgesucht werden, bleibt wohl nur eine Erklärung: Wenn das Majorlabel überhaupt noch Jazz rauslässt (in diesen Fällen eh streichelzooweichen), hat sich der weibliche Klangkörper auf dem Cover als Südseenixe zu gerieren (Gardot) -oder als bestrapste Burlesk-Beauty auf sündigem Samt (Kralls "Glad Rag Doll", ab September). Freilich, zur Ehrenrettung sei gesagt: Mit der Elektroswing-Sängerin Alice Francis prangt bald wieder eine bekleidete Frau auf einer Universal-CD. Sogar ganz aufrecht. Nackt im "St. James Ballroom"- das wär’ auch ein arger Toilettefehler.
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