• vom 29.08.2012, 18:03 Uhr

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Update: 29.08.2012, 18:17 Uhr
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Brief aus den USA

Die Mission eines syrischen Überläufers


Von David Ignatius

  • Manaf Tlass hat mit Präsident Bashar al-Assad gebrochen - vorher hatte er ihn davor gewarnt, mit Syrien einen kollektiven Selbstmord zu begehen.

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post". Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Syriens prominentester militärischer Überläufer sagt, der Schlüssel zum politischen Übergang wäre ein Sicherheitsnetz, das den Alawiten das Gefühl gäbe, nicht niedergemetzelt zu werden, sollten sie mit Präsident Bashar al-Assad brechen. "Meine Hauptaufgabe ist, die Alawiten zu überzeugen, dass sie nicht mit dem Regime zusammen Selbstmord begehen müssen", sagte Manaf Tlass, früherer General in der syrischen Armee, der das Land im Juli verlassen hat, in Paris bei seinem ersten ausführlichen Interview seit seinem Bruch mit Assad, mit dem er früher befreundet war.

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"Die Alawiten müssen sicher sein, dass da jemand ist, der ihre Sicherheit gewährleistet, wenn sie überlaufen." Obwohl er selbst sunnitischer Muslim ist, kommandierte Tlass eine Spezialeinheit der republikanischen Garde, die zu etwa 80 Prozent aus Alawiten besteht. Der 49-Jährige sprach bewegend über seinen Bruch mit Assad, der "seinen Namen so sehr mit Blut beschmiert hat, dass er Syrien niemals mehr erfolgreich regieren könne".

Es begann im Frühjahr 2011, als die Proteste sich ausweiteten und Tlass anbot, sich mit den Demonstranten zu treffen. Er berichtete Assad über ein Treffen im April 2011 in Darayya mit jungen Rebellen, deren Väter schwiegen, aber offensichtlich stolz waren. "Das ist die Revolution der Väter durch ihre Kinder", warnte Tlass und merkte an, dass ein solcher Konflikt unmöglich mit Gewalt zu gewinnen sei.

Tlass sagt, sein Rat, die Hand auszustrecken, wurde ignoriert. Seine Kontaktleute wurden nach dem Treffen verhaftet. Das war sogar in Rastan der Fall, jener Stadt in Zentralsyrien, aus der sein Vater stammt. Nachdem Tlass dort Frieden zu machen versuchte, wurde er von Assads Cousin Hafez Makhlouf, dem Chef der internen Abteilung des syrischen Geheimdienstes, gerügt. Tlass gab danach das Kommando über seine Einheit ab.

Der Bruch kam im Juli 2011, als Assad ihn rufen ließ und fragte, warum er seine Truppen nicht befehlige. Tlass antwortete, dass der Präsident und seine Leute Übereinkünfte nicht ernst nähmen: "Sie machen aus mir einen Lügner. Sie und Syrien begehen Selbstmord." Und bei diesem letzten Treffen sagte er zu Assad auch: "Sie tragen eine schwere Last - aber wenn Sie fliegen wollen, müssen Sie diese Last abwerfen." Es scheint, dass die schwere Last - die Familie, der innere Kreis - gewonnen hat.

Zuerst glaubte Tlass, er könne in Damaskus bleiben, in stiller Opposition. Als jedoch die Gewalt sich zu einem landesweiten Gemetzel ausweitete, "konnte mein Gewissen es nicht länger aushalten".

Zum ersten Mal traf ich Tlass vor sechs Jahren in Damaskus, was einer der Gründe sein mag, dass er nun sein Schweigen gebrochen und dieses Interview gegeben hat. Als ich ihn fragte, was er Assad sagen würde, wenn er ihm noch eine Nachricht zukommen lassen könnte, wurde er kurz von seinen Gefühlen überwältigt und verließ den Raum. Als er zurückkam, sagte er: "Wie kann jemand nur glauben, dass er sein Land schützt, wenn seine Luftwaffe und seine Panzer das eigene Territorium treffen?"

Übersetzung: Redaktion




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-29 18:08:03
Letzte Änderung am 2012-08-29 18:17:03


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