
Normal, was ist schon normal? Mit dieser Frage sah sich die deutsche Frauenzeitschrift "Brigitte" vor zwei Jahren öfter mal konfrontiert. Damals hatte ihr Chefredakteur nachgerade Revolutionäres angekündigt: Ab sofort werde man keine Profi-Models mehr für die Modestrecken buchen, sondern ganz "normale" Frauen dafür beschäftigen. Diese Entscheidung kam nicht ganz zufällig an einem der zyklisch auftretenden Höhepunkte der Debatte um Magerwahn. Deswegen glaubten auch nicht wenige, dass es sich um einen listigen PR-Coup handeln könnte.
Nun ist die "Brigitte", obwohl auch an ihr der negative Branchentrend nicht ganz vorübergegangen ist, nach wie vor die deutlich auflagenstärkste Frauenzeitschrift, zumindest unter den zweiwöchentlichen. Selbst wenn es sich um einen PR-Gag gehandelt hätte - so what? Dass eine so große, so populäre Publikation versucht, einfach so die gesellschaftliche Zwangsästhetik zu unterwandern, das war schon eine Leistung. Was für eine Leistung, sieht man jetzt: Der neue Chefredakteur überlegt, doch wieder Profimodels einzusetzen. Die "normalen" Frauen wären zu viel Aufwand, weil sie mehr Betreuung brauchen und trotzdem genauso viel kosten wie Berufsmannequins.
Ja, auch die Modestrecken mit Polizistinnen, Lehrerinnen oder Studentinnen haben meistens hübsche, schlanke Frauen präsentiert. Aber darum ging es gar nicht. Es ging um ein Signal. Dass man dem ein bisschen länger zuhören müsste für einen Effekt, ist klar. Wäre schade, wenn aus Kostengründen ein Gesellschaftswandel abgesagt werden müsste.
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