Es ist natürlich leicht, über Michael Schumacher herzuziehen. Er hat sich ja schon früher als Projektionsfläche für Anfeindungen aufgedrängt, seine Erfolge waren schon fad, seine Auftritte nahe an der Grenze zur Arroganz. Da konnten ihm die, die ihn näher kennen, eine noch so ausgeprägte soziale Ader attestieren, einen Typen, der dauernd nur roboterhaft gewinnt, mag man nicht zwangsläufig. Und dann das: Das großspurig angekündigte Comeback mit dem Ziel, um Titel zu fahren, das sich bald als Utopie herausstellte. Da waren sie natürlich wieder da, die Unkenrufer: Zu alt, zu fehleranfällig, ein Auslaufmodell. Schumacher hat die Erwartungen ganz klar nicht erfüllt, weder die eigenen, noch die des Teams und der Fans. Gründe gibt es viele, und sie liegen - trotz zwischenzeitlich unerklärlicher Patzer - nicht daran, dass er das Autofahren verlernt hat.

Man hat ihn aber in seiner zweiten Karriere anders kennengelernt: als Verlierer. Und in Niederlagen zeigt sich die Persönlichkeit bekanntlich deutlicher. Er konnte plötzlich Fehler zugeben, stellte sich in den Dienst des Teams, war nicht mehr so verbissen, nicht so zwanghaft vom Sieg besessen, sondern stattdessen von der Vision einer Entwicklung beseelt. Das macht irgendwie sympathisch. Man muss Schumacher noch immer nicht mögen, aber man kann ihn deshalb bewundern. Irgendwie hat er also doch auch gewonnen.
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