
Immerhin, maßregeln lassen wie ein Schulbub, wie es dem "profil"-Chefredakteur am Sonntagabend in "Im Zentrum" widerfuhr, musste sich beim ARD-Talk von Sandra Maischberger keiner der Mitdiskutanten Frank Stronachs. Das mag teils an den Gästen gelegen haben; mit dabei waren unter anderem die beiden prominenten EU-Kritiker Oskar Lafontaine und Thilo Sarrazin. Oder an der Art, wie die Gastgeberin Milliardär und Neo-Parteigründer aus Österreich ihrem Publikum präsentierte: Stronach wurde geradezu hofiert, die anderen Diskutanten aufgefordert, sich mit seinen Thesen ernsthaft auseinanderzusetzen. Stronach revanchierte sich mit einem - vor allem im Vergleich zu seinen jüngsten ORF-Auftritten - zurückhaltenden Auftritt, keine Spur von seinem ansonsten üblichen Medien- und Establishmentbashing.
An seiner Mission ließ der 80-jährige Stronach aber dennoch nicht rütteln. Mit dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein eines Selfmade-Millionärs ließ er weder Kritik noch Widerrede gelten.
Allerdings taten Sarrazin, Lafontaine und die übrigen Gäste Stronach nicht den Gefallen, sich lange mit den Thesen des Austro-Kanadiers aufzuhalten. Entsprechend wirkte Stronach wie ein kurioser Fremdkörper in der Talkrunde, den alle amüsiert bestaunten, aber nicht wirklich ernst nahmen. Der Mann auf Mission nahm es irgendwann zur Kenntnis - und überließ, fast resignierend, das Reden den anderen. Das war dann doch wieder eine neue Seite an Frank.
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