• vom 08.01.2010, 18:03 Uhr

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Entdeckungen Von Alexander U. Mathé

Simpson: Harter Kerl und zarte Frau




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  • Mitchell Simpson war ein Kerl von der härtesten Sorte: Militärflugzeug-Testpilot, Top Gun sozusagen.

Amanda Simpson erhielt Top-Posten von Obama. Foto: ap

Amanda Simpson erhielt Top-Posten von Obama. Foto: ap

Amanda Simpson erhielt Top-Posten von Obama. Foto: ap

Amanda Simpson erhielt Top-Posten von Obama. Foto: ap Amanda Simpson erhielt Top-Posten von Obama. Foto: ap

Seinen Universitätsabschluss machte Mitchell Simpson in Physik, Ingenieurwesen und Wirtschaft. Mit diesem Ausbildungsprofil war er prädestiniert für den US-Raketenhersteller Raytheon Missile Systems, wo sich das Ausnahmetalent als Vizedirektor um die Entwicklung von Spitzentechnologie kümmerte.


Doch nun hat Simpson etwas noch Außergewöhnlicheres erreicht: den Chefposten des Büros für Industrie und Sicherheit im amerikanischen Handelsministerium. Damit hat Simpson den höchstrangigen Posten in der US-Regierung inne, für den ein Transsexueller je vom Präsidenten ernannt wurde. Denn Mitchell Simpson heißt seit zehn Jahren Amanda Renae Simpson und ist eine Frau.

Amanda Simpson hat viel Geld und Arbeit in ihre Weiblichkeit investiert. Dutzende Stunden verbrachte sie beim Logopäden, bis ihre Stimme endlich die ersehnte Sanftheit und Höhenlage erreicht hatte. Ihr betont femininer Gang lässt hartes Training vermuten. 70.000 Dollar investierte sie in Schönheitsoperationen: Ihre Busen wurden geformt, die Lippen aufgespritzt und ihre Genitalien operiert.

Ob die 49-Jährige auch tatsächlich die höchstrangige Transsexuelle aller Zeiten in der US-Regierung ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn die meisten Transsexuellen in hohen Positionen versuchen aus Angst vor Diskriminierung unerkannt zu bleiben.

So hat im Jahr 2004 der Fall Schroer in den USA Aufsehen erregt. David Schroer, ehemaliger Oberst der Green Berets, einer Eliteeinheit der US-Army, sollte einen Posten als Analyst für Terrorforschung in der US-Nationalbibliothek erhalten. Als seine künftigen Chefs dann allerdings erfuhren, dass der Mann vor einer Geschlechtsumwandlung stand, zogen sie das Jobangebot zurück. Schroer, mit Vornamen mittlerweile Diane, ging wegen Diskriminierung vor Gericht und erhielt im Jahr 2008 Recht.

Auch Amanda Simpsons Nominierung war von Kritik begleitet. In konservativen Kreisen sah man ihre Bestellung ins Handelsministerium als Zugeständnis Obamas an die Linksaußen-Fraktion seiner Partei. Andere wiederum fragten sarkastisch, ob es fortan eine Quote für Transsexuelle geben werde.

Widerstand wie dieser legt allerdings die Vermutung nahe, dass Simpson den Posten trotz und nicht wegen ihrer Transsexualität erhalten hat. Sie selbst verwies in diesem Zusammenhang wiederholt auf ihre gute Qualifikation.

Neben ihrer Laufbahn in der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie engagierte sich Simpson auch politisch. 2004 trat sie für einen Abgeordnetensitz im Repräsentantenhaus Arizonas an - zwar erfolglos, sie schrieb dabei aber dennoch Geschichte. War sie doch der erste transsexuelle Kandidat, der in den USA eine Vorwahl gewonnen hat.

Doch die Erste zu sein, liegt ihr nicht. "Die Erste zu sein, oder unter den Ersten zu sein, ist blöd", sagte sie in einem Interview. "Ich wäre es lieber nicht, aber Einer muss es ja sein." Ihrer Sexualität solle nicht so viel Bedeutung beigemessen werden, forderte Simpson, doch "andererseits ist das eben so".



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Dokument erstellt am 2010-01-08 18:03:08
Letzte Änderung am 2010-01-08 18:03:00


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