• vom 21.06.2017, 16:45 Uhr

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Die olympische Risikoaktie




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Von Tamara Arthofer


    Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

    Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin. Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

    Innsbruck 1976, Franz Klammer rast mit einem Husarenritt auf dem Patscherkofel zu Olympia-Gold in der Abfahrt: Die Nation ist aus dem Häuschen, ein Mythos ward geboren. Wer sich nicht an die Bilder von damals erinnert, wird sie in den kommenden Wochen und Monaten wohl noch tausendfach von Befürwortern der Idee einer Olympia-Bewerbung Innsbrucks für die Winterspiele 2026 zu sehen bekommen. Befeuert wurde diese Idee, die von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) als "gute Chance" bezeichnet und von ÖOC-Präsident Karl Stoss begeistert aufgenommen wurde, nun von einer von Land und Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, laut deren am Mittwoch präsentierten Ergebnis die gewünschten "redimensionierten Spiele" möglich seien. Tatsächlich entbehrt die Idee nicht eines gewissen Charmes: Die Chance, dass das IOC die Spiele 2026 wieder an Europa vergibt (und damit zumindest die Kosten in zweistelliger Millionenhöhe, die alleine die Bewerbung verschlingt) nicht sinnlos ausgegeben sind, ist groß wie zuletzt selten zuvor, Mitbewerber werden nach negativen Bürgerentscheiden in traditionell wintersportaffinen Ländern in der jüngeren Vergangenheit eher nicht Schlange stehen. Und die Ergebnisse der Studie klingen tatsächlich vielversprechend: Durch ein dezentrales Konzept müssten kaum neue fixe Wettkampfstätten aus dem Boden gestampft werden, ein Umwelt-Screening habe ergeben, dass keine Schutzgebiete betroffen und keine "flächendeckenden Neuerschließungen" nötig wären. Und das Zuckerl: Das Durchführungsbudget wurde mit schlanken 1,175 Milliarden Euro angegeben, womit laut Autoren "kein Euro Steuergeld" gebraucht wäre. Man kann davon ausgehen, dass Olympia dennoch auch zum Wahlkampfthema in Bund und Land wird - ein nicht ungefährliches Spiel für die Politik. Denn die Botschaft von verschlankten Spielen, die kaum etwas kosten, hörte man schon oft. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre fehlt nur vielen der Glaube.





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    Dokument erstellt am 2017-06-21 16:50:03



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