• Artikel vom 10.02.2012, 18:47 Uhr

Leitartikel

Update: 10.02.2012, 18:59 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Leitartikel

Der Fluch der starken Sager


Von Reinhard Göweil



Mit der ÖVP werde es keine Steuererhöhungen geben. Mit solch markigen Sprüchen hat die Parteispitze ihre Klientel versorgt. In der Industrie und bei Wirtschaftskammer-Funktionären fiel die Botschaft auf fruchtbaren Boden. Nun hat das ÖVP-Präsidium einstimmig das Konsolidierungspaket gutgeheißen, so wie es vorliegt (ein Sparpaket ist es wohl nicht). Je nach Geschmacksrichtung liegt die Einnahmen-Seite zwischen 30 und 40 Prozent. Die vor allem von Industrie-Seite heftig geforderten Strukturreformen wurden aufgeschoben. Die ÖVP hat politisch ein Problem.

Werbung

Aber nur, wenn sie sich weiterhin so verhält. Ein Blick nach Deutschland zur CDU würde zeigen, dass eine konservative Partei, die in die Mitte rückt, in der Wählergunst zulegt.

Die SPÖ dagegen hat diese Zeichen der Zeit erkannt. Sie hielt sich mit starken Sagern zurück und kann nun - gemeinsam mit der Gewerkschaft - bei dem geschnürten Paket darauf hinweisen, dass der Mittelstand ziemlich ungeschoren davonkommt. Und dass dafür sie gesorgt hat. Gespart wird im Wesentlichen bei der Sparquote: Großverdiener, die ohnehin nicht so viel Geld ausgeben können, wie sie verdienen - und bei der Sparförderung.

Ökonomisch betrachtet ist dies in den kommenden Jahren der richtige Weg. Die privaten Konsum-Ausgaben müssen unter allen Umständen aufrechterhalten werden, denn über der Exportindustrie hängt ein Fragezeichen. Am Ende des Tages hat dies auch die Volkspartei so gesehen. Eine kluge Entscheidung, auch wenn der sehr konservative Teil ihrer Anhänger damit unzufrieden sein wird.

Die Strukturreformen sind auf die Zeit nach 2013 verschoben. Dies mag unbefriedigend sein, aber es erlaubt - wenigstens theoretisch - den beiden Regierungsparteien in der kommenden Wahlauseinandersetzung, Profil zu zeigen: Die Volkspartei kann zum Umbau des Staates ihre Vorstellungen zu Privatisierung, Pensionsreform und Verwaltungsreform darlegen. Die SPÖ gleichermaßen.

Das jetzige Konsolidierungspaket lässt sogar noch eine Möglichkeit zu: In Sachen Liberalisierung des Wirtschaftsgeschehens lassen beide Regierungsparteien zu wünschen übrig. Die Freiheit des Einzelnen ist weder bei der SPÖ noch bei der ÖVP ein durchgängiger Wert. Sollte sich also eine neue politische Kraft etablieren wollen - feel free...




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-10 18:53:04
Letzte Änderung am 2012-02-10 18:59:05


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Frankreichs wirtschaftliche Probleme, die Kalamitäten Italiens und Spaniens, sowie die selbstgewählte Außenreiterrolle Großbritanniens machen...weiter

Reinhard Göweil Griechenlands Austritt aus der Eurozone könnte bis zu 1000 Milliarden Euro kosten, befürchten britische Experten. Das wiederum würde die Eurozone...weiter

Reinhard Göweil Wer die Griechen als undankbar erlebt, sollte sich anschauen, was mit der Finanzhilfe bisher geschehen ist. Der dreistellige Milliardenbetrag lief...weiter

Reinhard Göweil Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist ein Mann klarer Worte. Die unterschiedliche Förderung der Landes- und Bundesparteien und die relativ große...weiter

Reinhard Göweil In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den wirtschaftspolitischen Kurs der EU prallen Dogmen aufeinander statt Fakten. Wie ist die Ausgangslage...weiter

Reinhard Göweil Frankreichs wirtschaftliche Probleme, die Kalamitäten Italiens und Spaniens, sowie die selbstgewählte Außenreiterrolle Großbritanniens machen...weiter

Reinhard Göweil Griechenlands Austritt aus der Eurozone könnte bis zu 1000 Milliarden Euro kosten, befürchten britische Experten. Das wiederum würde die Eurozone...weiter

Reinhard Göweil Eines vorweg: Die "Österreich-Rede" von Vizekanzler Michael Spindelegger war recht gut, aber eher die Rede eines ÖVP-Obmannes an eine verunsicherte...weiter

Reinhard Göweil Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist ein Mann klarer Worte. Die unterschiedliche Förderung der Landes- und Bundesparteien und die relativ große...weiter

Reinhard Göweil In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den wirtschaftspolitischen Kurs der EU prallen Dogmen aufeinander statt Fakten. Wie ist die Ausgangslage...weiter




Werbung




Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren.

Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera. Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater.

20.05.2012: Auch beim G8-Gipfel führte kein Weg am Champions League-Finale vorbei. Jubel und Trauer lagen sichtbar nah beinand, v.l.n.r.: Der britische Premier David Cameron, US Präsident Barack Obama, deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident José Manuel Barroso,, der französische PräsidentFracois Hollande (sitzend). Wien. (cra) Castingshows haben schon lange die Welt der Klassik erreicht: Zum vierten Mal diente der Auftakt der Wiener Festwochen als Austragungsort des Wettbewerbs "Eurovision Young Musicians." 
Im Bild: Emmanuel Tjeknavorian, der österreichische Teilnehmer des "Eurovision Young Musicians 2012".

Werbung