• vom 20.03.2012, 16:26 Uhr

Leitartikel

Update: 20.03.2012, 16:39 Uhr

Frankreich

Tödliche Ernte




  • Artikel
  • Kommentare (8)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Reinhard Göweil

Reinhard Göweil Reinhard Göweil

Die Mordserie in Toulouse hat offengelegt, wo die "Grande Nation" so großartig nicht ist: Antisemitismus und Rassismus. Der um seine Wiederwahl kämpfende Präsident Nicolas Sarkozy hat bisher politisch nichts getan, um Frankreich von diesen Geschwüren zu befreien.

Werbung

Noch vor zehn Tagen rief er wütende Proteste im Europäischen Parlament hervor, weil er - gegen alle Vereinbarungen - das Schengen-Abkommen außer Kraft setzen wollte, um die angeblich so ausufernde illegale Migration zu stoppen. Um die rechten Wähler auf seine Seite zu ziehen, ging Sarkozy selbst ganz weit nach rechts. Im Sommer 2010 ließ er Roma einfach abschieben. Sarkozy hat damit dem Rassismus Nährboden gegeben, anstatt ihm diesen zu entziehen.

Und auch die Zahl der antisemitischen Übergriffe steigt. Bereits 2009 warnte der Vorsitzende der jüdischen Institutionen in Frankreich davor. Politisch ernst genommen wurden seine Worte nicht.

Es hat sieben Tote gebraucht, um diese Politik jäh zu beenden. Frankreich ist erschüttert, und die Elite des Landes sollte es auch ob ihres Wegschauens sein.

Die grauenhafte Mordserie in Frankreich sollte aber Europa insgesamt aufrütteln. In Ungarn bedient Regierungschef Viktor Orban nationalistische Kreise, und die in Umfragen bei 20 Prozent liegende rechtsextreme Partei Jobbik ist offen antisemitisch - und gewaltbereit.

In den Niederlanden ist die Regierung von einer weit rechts agierenden Partei abhängig. In Dänemark und Finnland sind die nationalistischen Parteien extrem stark, in Österreich liegt die FPÖ bei Umfragen auf Platz zwei.

Überall dort in Europa, wo die regierenden Parteien mit Reden und Handlungen die Wähler solcher Parteien auf ihre Seite zu ziehen trachten und unerträgliche Konzessionen machen, radikalisiert sich die Gesellschaft. Überall dort kommen Menschen zu Schaden, weil sie dem wirren Herrenmenschen-Bild radikaler Gruppen nicht entsprechen.

Deutschland hat selbst eine unheimliche neonazistische Mordserie hinter sich, aber alle im Bundestag vertretenen Parteien grenzen sich scharf vom rechten Rand ab. Und siehe da: In Deutschland sind die radikalen Parteien politisch vergleichsweise erfolglos. Wenn Sarkozy Deutschland bewundert, hätte er sich längst daran ein Beispiel nehmen sollen.




8 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-03-20 16:32:15
Letzte Änderung am 2012-03-20 16:39:17


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die härteste Lobby des Landes
  2. Eine neue Friedens- und Sicherheitsarchitektur für Europa
  3. Auch Bayern ahnungslos
  4. Deutschland ist das Problem
  5. Pegida - eine Realitätsverneinung
Meistkommentiert
  1. Gegen ein Klima der Angst
  2. Eine Pro-Europa-Demo
  3. Deutschland ist das Problem
  4. Die Steuerreform kommt
  5. Legal und Moral

Werbung




Platz 10: CLEVERE ÄFFCHEN. Weißbüschelaffen können mit Lehrvideos etwas anfangen - jedenfalls wenn es darum geht, Leckereien aus einer Kiste zu holen. Den meisten der in Südamerika heimischen Tiere gelang das, nachdem sie im brasilianischen Dschungel per Video Artgenossen zugesehen hatten, die den Kistentrick schon beherrschten.

19.12.2014: Während in Österreich die Berge großteils grün bleiben, überqueren die Kanadier so manche Brücken auf Langlauf-Ski. Wie hier die Bill Thorpe Walking Brücke in Fredericton, New Brunswick. Doch nicht für immer: Liebesschlösser an der Pont des Arts in Paris werden entfernt.

Böse Zungen behaupten, Markus Lanz sei als Nachfolger von Thomas Gottschalk ein Griff in die Sch . . . okolade gewesen (hier badet er jedenfalls am 23. März 2013 darin).  Der diesjährige Friedensnobelpreis ist am Mittwoch an Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien verliehen worden.

Werbung