• vom 25.04.2012, 17:50 Uhr

Leitartikel

Update: 25.04.2012, 18:06 Uhr
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Leitartikel

Aufholprozess


Von Walter Hämmerle

Walter Hämmerle.

Walter Hämmerle. Walter Hämmerle.

Man kann es auch positiv sehen: Österreich ist längst nicht mehr jene kleine Welt, in der - nach Friedrich Hebbel -die große einst ihre Probe hielt. Man muss nicht überall in der ersten Reihe mit dabei sein. Diese nagende Ungewissheit, ob sich das Neue nun zum Guten oder doch zum Schlechten wendet, ist für politische Verantwortungsträger ja auch unzumutbar. Wie sollen die verlässlich wissen, ob das eh auch die Zustimmung der Wähler findet?

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Die Vorteile dieser Strategie der nachholenden Entwicklung sollten nicht gering geachtet werden: Sicher, man erntet als Wanderer auf ausgetretenen Pfaden eher keinen Ruhm für die Entdeckung unerforschter Welten, dafür verirrt man sich auch nicht im Dschungel - sinnbildlich gesprochen.

Vorausgesetzt den Fall, dass es sich tatsächlich um einen Plan und nicht bloß strukturelle Entscheidungsschwäche handelt. Dieser Verdacht drängt sich jedoch auf, wenn man betrachtet, unter welchen enormen Schmerzen hierzulande Entwicklungen nachvollzogen werden.

Die Tatsache, dass Österreich zu einem Einwanderungsland wurde, wurde schlicht über Jahrzehnte von der politischen Tagesordnung verdrängt. Wohl einfach deshalb, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte.

Dass Bildung unser einziger nennenswerter wirtschaftlicher Rohstoff ist, gehört zwar zum Pflicht-Repertoire hiesiger Sonntagsredner. Was das jedoch für die Strukturen und finanzielle Ausstattung der Schul-, Universitäts- und Forschungssysteme bedeutet, ist bis heute bestenfalls umstritten und schlimmstenfalls ignoriert.

Dass die Parteien erst jetzt daran denken, ihre finanziellen Verhältnisse zumindest ansatzweise öffentlich zu machen, lässt sich nur so erklären, dass hierzulande der Bürger noch immer als unmündiger Besachwalteter angesehen wird. Deshalb wird den Wählern die Mitsprache über die Mandatsvergabe verweigert, betrachten Parteien öffentliche Institutionen und Körperschaften als ihr wohlerworbenes Eigentum.

Und 17 Jahre nach dem Beitritt zur EU wurde noch nicht einmal in Ansätzen konsequent durchgedacht, was es für die (Bewusstseins-) Strukturen dieses Land bedeutet, integraler Bestandteil einer Gemeinschaft zu sein, die demnächst 28 Staaten umfasst.

Besser, wir beeilen uns mit dem Aufholprozess. Es hat sich einiges angesammelt.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 17:56:04
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:06:55


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